Ingeborg Brigitte Gastel Lloyd
 


Verwandtschaftsbeziehungen zwischen der 
Familie Zeller und schwäbischen Künstlerfamilien 
des 15. und 16. Jahrhunderts

Von Herbert Leube, Suedwestdeutsche Blaetter fuer Familien- und Wappenkunde, 12/1996



Auf zahlreichen württembergischen und schwäbischen Ahnentafeln ist die aus Martinszell im Allgäu stammende Familie Zeller vertreten.(1). Herausragende Persönlichkeiten in der Zeller'schen Familiengeschichte waren in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg die vier Brüder Johann Konrad Zeller, Abt von Bebenhausen, Christoph Zeller, Hofprediger in Stuttgart und Propst von Denkendorf, Johann Ulrich Zeller, Geheimer Regimentsrat in Stuttgart, Johannes Zeller, Abt von Maulbronn, und ihr Schwager Johann Leonhard Volmar, Hofprediger in Mömpelgard. Von den vier vorgenannten Brüdern leiten sich die vier Hauptlinien der Zeller'schen Nachkommenschaft ab. Unter ihnen und den Nachkommen ihrer Schwestern findet man eine fast unüberschaubare Zahl von Vertretern der geistlichen Berufe. Das Zellerbuch von 1974 (2) führt in 567 Zeller-Familien 102 Zeller als Geistliche und 90 Zellerinnen, die einen Pfarrer geheiratet haben. Damit dürften die Zeller die Pfarrerfamilie in Württemberg sein, die seit der Reformation die meisten Vertreter im Kirchendienst hatte. Mit dem Blick auf die Nachkommen der vier Zeller Brüder kann man also mit Fug und Recht die Zeller als eine ausgesprochene Pfarrerdynastie ansprechen. Wendet man aber von den vier eingangs genannten Zeller-Brüdern aus den Blick zurück in die Vergangenheit, gewinnt man ein anderes Bild.

Vater Johannes II Zeller (1575-1635) und Großvater Johannes I Zeller (1548-1613) waren wohl Pfarrer, beide in dem kleinen Schwarzwalddörflein Rotfelden zwischen Wildberg und Nagold, zusammen 65 Jahre, bis der Sohn 1635 zusammen mit seiner Frau in der großen Not des Dreißigjährigen Krieges nach der Schlacht von Nördlingen an der Pest starb. Weiter in der Vergangenheit sind aber keine Pfarrer mehr zu finden. Das ist nicht verwunderlich, denn wir sind in der Reformationszeit, und die vorreformatorischen Priester und Prediger hatten in der Regel keine, zumindest keine legitimen Nachkommen.

Die Pfarrei Rotfelden lag weit ab vom Weltgetriebe. Beide Rotfeldener Pfarrer Zeller hatten eine reiche Kinderschar zu erziehen; vom älteren sind vier, vom jüngeren elf Kinder bekannt. Vier dieser elf waren die oben genannten vier Brüder. Bereits Karl August Zeller (1, S.31) ging der Frage nach, wie die vier Brüder aus dem kleinen Schwarzwalddorf zu so wichtigen Ehrenstellen im damaligen Württemberg aufsteigen konnten. Die oflenbar hervorragende Begabung der vier Brüder spielte mit Sicherheit die entscheidende Rolle. Laut Magisterbuch (3) waren alle - mit Ausnahme von Johann Konrad, er lag im Mittelfeld - innerhalb ihrer Promotion beim Magisterexamen unter den Besten. Ebenso sicher können wir aber auch mit K.A. Zeller annehmen, daß ein weiterer Grund in der Gattenwahl der beiden Rotfeldener Pfarrer bestanden haben muß. Beide haben in angesehene Familien von gehobener sozialer Stellung eingeheiratet und ihren Kindern neben dem wertvollen geistigen Erbe vorteilhafte verwandtschaftliche Beziehungen vermittelt. Johannes Zeller hatte sich 1574 mit Walburg, der jüngsten Tochter des Tübinger Ratsherrn Jakob Haag und der Anna Moralt verheiratet. Auf die Bedeutung der im Zabergäu zur Ehrbarkeit gehörenden Familie Moralt und den mit ihr durch Heirat verbundenen führenden Familien Lindenfels und Emhart haben bereits Decker-Hauff und K. Hess hingewiesen.(4). Und vier Schwestern der Walburg Haag waren 1574, als die Ehe Zeller-Haag geschlossen wurde, schon mit führenden Theologen und Beamten verheiratet: Anna mit dem württembergischen Oberrat Dr. Friedrich Schütz; Agnes mit Dr. theol. Lorenz Frisäus, Superintendent in Brackenheim; Barbara mit Daniel Grückler, Stadtpfarrer auf der einträglichen Grückler'schen Erbpfarrei Neubulach; Margarethe mit dem Tübinger Professor Leonhard Engelhardt, der später Pädagogarch in Stuttgart wurde. 

Auf den Einfluß, den beispielsweise die Familie Grückler auf den Werdegang der verschwägerten Familie Zeller hatte, ist bereits K.A. Zeller eingegangen (2, S.32 ff.). So ist wohl anzunehmen, es spielte eine Rolle, daß als Amtsvorgänger Johannes I Zellers in Rotfelden der Bruder seines Schwagers Gallus Grückler bis zu seinem Tod 1580 dort als Seelsorger gewirkt hatte. Später, 1635 wurde Pfarrer Johann Leonhard Grückler Vormund von Johannes, dem jüngsten der vier Zeller-Brüder, nachdem die Eltern an der Pest gestorben waren.

Auch die Spuren der Familie der Frau von Johannes II Zeller lassen sich in der Zeller'schen Familiengeschichte verfolgen. Johannes II Zeller (1575-1635) hatte sich nach seiner Berufung als Diakon in Heidenheim im Sommer 1600 mit Beatrix Bloss verheiratet, Tochter von Oktavian Bloss, württembergischer Eisenfaktor und Bergverwalter in Mergelstetten bei Heidenheim, (5) der später in Bleichach im Allgäu ein eigenes Bergwerk betrieb, und der Margarethe Daur, die nach Bloss' Tod 1601 den Abt von Anhausen, Martin Cless heiratete; Großeltern waren der Stadtschreiber in Göppingen Oktavian Bloss und Anna Moser, aus der bekannten württembergischen, später als Moser von Filseck geadelten Beamtenfamihe. (6) 

Soweit es die Herkunft der Zeller selbst betrifft, müssen wir allerdings K.A. Zeller korrigieren, wenn er feststellt (2, s. 31): ,,... die beiden Rotfeldener Pfarrer, aus einem tüchtigen Handwerker- und Bauerngeschlecht stammend ...,, . Großvater Konrad von Johannes I Zeller stammte wohl von einem Bauernhof in Martinszell im Allgäu. Vater und Großvater Hans und Konrad Zeller waren indessen Baumeister im Dienst des württembergischen Herzogs Ulrich. So können wir also sagen: Der Tübinger Ratsherr Haag gab seine Tochter dem Sohn des Baumeisters Zeller in die Ehe; und wir brauchen darin kein soziales Ungleichgewicht zu sehen. 

Beide Baumeister Zeller sind im württembergischen Dienerbuch auch als Steinmetzmeister oder Decker bezeichnet.(7) Unter einem Baumeister der damaligen Zeit - auch wenn er gelegentlich als Steinmetz oder Zimmermann erwähnt wird - ist nicht ein Bauhandwerker im heutigen Sinn zu sehen, er ist vielmehr als Architekt und Bauunternehmer zu verstehen. So war beispielsweise der Nachfolger von Hans Zeller im Amt des Baumeisters am Hohentwiel der spätere württembergische Hofbaumeister Aberlin Tretsch, der später erwähnt wird. Auch die Dombaumeister des Mittelalters führten oftmals die Bezeichnung Steinmetz; ihre ,,Steinmetzzeichen" sind noch heute als Beweis ihrer Bauleitung - wie die der Zeller am Hohentwiel - an ihren Bauwerken zu finden.

Dehnen wir nun unsere Betrachtung der Familienbeziehungen über die beiden Baumeister Hans und Konrad Zeller noch weiter bis ins ausgehende Mittelalter aus, so sehen wir, wie die Zeller mit ihrem Familienumfeld mitten in den weltlaeufigen Kreisen der Künstler und Baumeister standen. In ihren gesellschaftlicher Bezügen waren sie ursprünglich Fremde für einen an eine bestimmte Herrschaft gebundenen Pfarrer- und Beamtenstand, zu dem die Zeller in späteren Generationen gehörten. 

Ehe Konrad und Hans Zeller im Auftrag von Herzog Ulrich 1639-45 am Hohentwiel arbeiteten, ist erwiesen, daß sie im Dienst des Fürstabts von Kempten und des Bischofs von Augsburg an verschiedenen Orten tätig waren. Hans Zeller hat sich offenbar 1545 beim Landammann Seneca Nachtrub auf der als Verwaltungssitz dienenden Burg Fluhenstein aus der bischöflich-augsburgischen Leibeigenschaft frei gekauft, um sich in Tuttlingen niederlassen und dort heiraten zu können (2, S. 21). Die Ablösung der Leibeigenschaft, d. h. der Zinspflicht gegenüber dem Bistum Augsburg, war Voraussetzung, um in einem fremden Herrschaftsgebiet - hier im württembergischen Tuttlingen - eine Bürgerstochter zu ehelichen.

Die beiden Baumeister Konrad und Hans Zeller waren an verschiedenen oberdeutschen Orten tätig. So ist es denkbar, daß sie sich ihre Ehefrauen nicht unbedingt aus Martinszell oder der unmittelbaren Nachbarschaft holten. Den Namen der Ehefrau des Stammvaters, des Baumeisters Konrad Zeller kennen wir. Sie wird als Elisabeth Lascher oder Loscher angegeben. Konrad Zeller obwohl aus Martinszell im Allgäu stammend, war dem Bischof von Augsburg zinspflichtig. Was liegt also näher, als die Verwandten seiner Frau auch in Augsburg zu suchen? Tatsächlich lebte zur Zeit Konrad Zellers in Augsburg die Familie der Stadtwerkmeister und Brunnenbauer Loscher. Die Familie Loscher wurde von Hannelore Müller beschrieben. (8) Zeitlich am nächsten an Konrad Zeller liegen die Brüder Konrad Loscher, + 1514/ 15, Zimmermann und Stadtwerkmann, und Anthoni Loscher, + 1532/33, Zimmermann und Brunnenmeister, mit ihren Kindern. Ein Hinweis auf eine Elisabeth Loscher, die Konrad Zeller aus Martinszell im Allgäu geheiratet haben könnte, findet sich zwar bei H. Müller nicht. Auch steht die im bayerischen Staatsarchiv gemachte Feststellung ohne Zusammenhang, daß eine Ursula Zeller, verheiratet mit Konrad Loßherr, 1529 mit Gut zu Häusern in Martinszell belehnt wurde (2, S. 25). Wir wissen aber beispielsweise von Konrad Loscher, daß er als Stadtwerkmann häufig Reisen ins Allgäu zur Holzbeschaffung für städtische Bauarbeiten unternehmen mußte. So ist also denkbar, daß eine Familienbeziehung zwischen Konrad Zeller und den Augsburger Loscher zustande kam. 

Bekanntester Vertreter der Familie Loscher war der Zeitgenosse Zellers, der Bildhauer und Architekt Sebastian Loscher (1482/83- 1551), Sohn des oben genannten Konrad. (9) Die Bedeutung Sebastian Loschers als Künstler und Bildhauer trat erst zu Beginn dieses Jahrhunderts ins Licht. Es sind nur wenige Kunstwerke erhalten, die ihm aufgrund seiner Signatur eindeutig zugeschrieben werden können. Doch wird heute allgemein angenommen, daß z. B. die früher als Werk Adolf Daur's - den wir später betrachten - angesprochene, verschwenderisch ausgestattete Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg im Entwurf und in der Ausführung im wesentlichen Sebastian Loschers Werk gewesen sein muß. 

Wie bereits erwähnt, war der Schwiegervater des Rotfeldener Pfarrers Johannes II Zeller der württembergische Faktor und Bergverwalter Oktavian Bloss (+ 1600). Seine Frau Margarethe Daur (1542/52-1614) stammt aus einer alten Augsburger Künstlerfamille. (10) Zwar war ihr Vater Michael (1517-92) wie ihr Ehemann Bergwerksbesitzer; von ihm hatte Oktavian Bloss seinen Besitz in Bleichach. Doch findet man bei Michaels Vettern und in der Generation des Vaters Hans über den Großvater Adolf zum Urgroßvater Bartholomäus Daur viele Bildhauer, Kistler, Maler und Kunstschreiner. Die Berufsbezeichnung Kistler ist heute nicht mehr gebräuchlich. Werke der Kunstschreiner, Bildschnitzer und Kistler waren die berühmten holzgeschnitzten Altäre und Chorgestühle der Gotik, kunstvolle Schränke und Einlegearbeiten. Eine Silberstiftzeichnung von der Hand Hans Holbeins stellt den Großvater Adolf Daur dar und ist überschrieben mit ,,Adolf Dischmacher". 

Von der Hand des Urgroßvaters, des Malers Bartholomäus Daur (Daucher, Thorer) hängt noch heute im Ulmer Kunstmuseum das Bildnis der Ursula Greck. Sein Sohn Adolf Daur (1483-1523) war einer der ersten Augsburger Künstler, die die Formenwelt der italienischen Renaissance nach Deutschland brachten. (11) Zahlreiche Altäre stammen aus seiner Werkstatt; der berühmteste ist der prächtige Marmoraltar, bereits im Renaissancestil, in der Kirche in Annaberg im Erzgebirge. Adolf Daur heiratete Afra Erhart, die Tochter seines Meisters. Er hatte zusammen mit Afras Bruder Gregor seine Ausbildung als Bildhauer in der Werkstatt vor Gregors Vater Michael Erhalt erhalten. Auch später waren Adolf Daur und Gregor Erhart in Freundschaft verbunden. Zusammen mit dem befreundeten Hans Holbein d. Ae. (1465-1524), dem Vetter von Gregor Erhards Frau Anna Mair, erhielten sie 1502 den Auftrag, den Hochaltar im Zisterzienserkloster Kaisheim bei Donauwörth zu errichten.(12) Gregors Sohn Paulus Erhart (+t nach 1577) war Bildhauer wie sein Vater; von ihm sind zwölf Kinder und Enkel als Goldschmiede und Bildhauer bekannt. Michel Erhart war im späten 15. Jahrhundert der bekannteste und meistbeschäftigte Ulmer Bildhauer. (13) Mit dem Schreiner Jörg Syrlin d. Ae. zusammen erhielt er 1474 den Auftrag für den Hochaltar im Ulmer Münster. Leider sind viele seiner Werke im Bildersturm der Reformation zugrunde gegangen; das einzige mit seiner Signatur versehene, noch erhaltene Werk ist das große Kruzifix im Chor der Michaelskirche in Schwäbisch Hall. 

Michel Erharts Frau war Margarete Ensinger Es besteht begründete Annahme, daß sie aus der Dombaumeisterfamilie Ensinger stammt. (14) Stammvater war Ulrich von Ensingen (1350/60-1419) aus Ensingen bei Ulm oder Oberensingen bei Nürtingen, der am Mailänder Dom arbeitete, seit 1392 am Ulmer Münster, 1399 zusätzlich Baumeister am Straßburger Münster. Sein Sohn Matthäus wurde 1420 als Münsterbaumeister nach Bern berufen, 1430 hatte er zusätzlich die Oberleitung beim Bau der Frauenkirche in Eßlingen, seit 1446 war er Münsterbaumeister in Ulm. Der Enkel Vinzenz, vermutlich Margarete Ensingers Vater, war Nachfolger seines Vaters beim Münsterbau in Bern, 1456 bereits Münsterbaumeister in Konstanz, 1460 an der Martinskirche in Colmar, 1470 am Basler Münster (15). 

Söhne Adolf Daurs waren Hans (1487/88-1538) und Adolf Daur (1498- 1558). Hans, der Vater des oben genannten Bergwerksbesitzers Michael Daur und Großvater der mit Oktavian Bloss verheirateten Zeller-Ahnin, wurde wie sein Vater Bildhauer, zog aber aus Augsburg weg und ging in württembergische Dienste, offenbar vor allem deswegen, weil seine Frau Susanne Spitzmacher wegen ihrer Teilnahme an der Wiedertäuferbewegung in Augsburg verfolgt wurde. (16) Die Spitzmacher wie die Erharts - Michels Tochter Walpurg, verheiratete Fugger vom Reh, hatte zwei Söhne, die Goldschmiede wurden - hatten zahlreiche familiäre Bindungen zu Goldschmiedefamilien vor allem in Augsburg. Die familiäre Bindung zwischen Künstlern und Goldschmieden lag nahe. In den meisten Städten waren beide in derselben Zunft organisiert. Adolf Daur (1498-1556), Adolfs Sohn, wurde als Kunstschreiner bekannt. (17) Er schuf das mit Intarsien und großen Figuren von Propheten und Aposteln geschnitzte Chorgestühl und die Kanzel im Heiligkreuzmünster zu Schwäbisch Gmünd, ehe er 1552 in herzoglichen Diensten nach Stuttgart kam und sich dann in Lauffen als Holzbildhauer niederließ. 

Durch die weit verzweigte Familie Daur bestanden Verschwägerungen mit einer Reihe weiterer Kuenstlerfamilien: Eine Tochter des Bildhauers Adolf Daur (1463-1523) war verheiratet mit dem Bildschnitzer Wolfgang Weißkopf (+ 1530), der 1525 das Gehäuse für die Orgel in der Lorenzkirche in Nürnberg im gotischen Stil fertigte. (18) Eine zweite hatte den Kistler und Stadtwerkmeister in Ulm Endris Stromair, zum Ehemann, der 1536 am alten Rathaus und am Spital in Schwäbisch Gmünd tätig war. Die Tochter Margarete des Kunstschreiners Adolf Daur (1498-1558) hatte sich mit dem Kunstschreiner Balthasar Krezmaier vermählt, der beim Bau des Lusthauses in Stuttgart tätig war Eine ganze Dynastie von Baumeistern und Künstlern vor allem in Württemberg leitet sich von ihm her. (19) Neun Söhne, Enkel und Urenkel haben sich als Werkmeister, Bildschnitzer, Goldschmiede und Feuerwerker einen Namen gemacht. Der Sohn Kaspar Krezmaier errichtete übrigens zusammen mit Friedrich Fischlin 1626 die Kirche in Rotfelden, dem Stammort der Zeller, wie noch heute auf einer Tafel über dem Portal zu lesen ist. Der Sohn Johann d. Ae. wurde als der ,,Archimedes unseres Vaterlandes" gerühmt. 

Adolf Daurs (1498-1558) Sohn Hans Adolf schließlich war Kunstschreiner am Hof in Stuttgart (20). Er erscheint wie sein Onkel Hans auf vielen schwäbischen Ahnentafeln, so z. B. auf der des Lehrers an der Karlsschule und Schillerfreundes Jakob Friedrich Abel oder des in französischen Diensten geadelten Grafen Karl Friedrich Reinhardt. (21) Über Abel ist er auch Ahn der vier Werner-Schwestern, die Ende des 19. Jahrhunderts vier Zeller-Brueder heirateten, sodaß sich der Kreis zur Familie Zeller wieder schließt. Hans Adolf Daur heiratete Christine, Tochter von Aberlin Tretsch (1505/10-1567/77). Aberlin Tretsch war der vielbeschäftigte Hofbaumeister des Herzogs Christoph von Württemberg, ein Amt das nach ihm Georg Beer unter Herzog Ludwig und Heinrich Schickhardt unter Herzog Friedrich inne hatten. Sein wichtigstes Werk ist das Alte Schloß in Stuttgart; daneben hatte er die Oberleitung bei Bauten in Asperg, Weinsberg, Waiblingen, Leonberg, Schorndorf, Tübingen und vielen anderen Orten. Sein Hauptverdienst ist sein Anteil an der 1562 verabschiedeten württembergische Bauordnung. (22) 

Wir kehren schließlich zu Margarete Daur zurück. Ihr Vater, der mehrfach erwähnte Bergwerksbesitzer Michael Daur hatte sich um 1542/43 während seiner Heidenheimer Zeit mit Margarete, Tochter des dortigen Bürgermeisters Stoffel Franz vermaehlt, der seinerseit Margarete Baldung aus Schwäbisch Gmünd zur Frau hatte. Der Vater Hans der Margarete Baldung war kaiserlicher Notar in Gmünd. Und hier treffen wir wieder auf Künstlerkreise, denn aus derselben Gmünder Familie Baldung stammte der Maler Hans Baldung Grien <1484/85-1545). Ein Bruder, zwei Onkel und ein Vetter des Malers, die sich als Gelehrte einen Namen gemacht haben, sind bekannt, doch kennen wir Name und Beruf des Vaters von Hans Baldung Grien nicht. So wissen wir also auch nichts über die genaue Verwandtschaftsbeziehung des Malers zur Frau des Heidenheimer Bürgermeisters Franz, die zur selben Zeit gelebt hat. (23) 

Mit unserem Blick auf Ahnenfamilien der eingangs genannten vier Zeller-Brüder und deren Schwestern öffnen wir ein Fenster in die bunte bewegte Welt des Ubergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Die betrachteten Familien gehörten zum kleineren Teil, wie K. A. Zeller von den Zeller selbst gemeint hat, zu Handwerker- und Bauerngeschlechtern. Wir finden vielmehr überwiegend künstlerische Berufe. Bekannte Namen aus der Kunstgeschichte tauchen auf, wie Loscher Daur, Erhart, Ensinger, Holbein oder Baldung-Grien. Es sind Familien die bedingt durch den Beruf, den sie ausübten, an vielen Orten zuhause waren, mit Hoch und Nieder zu verkehren hatten, Familien, die Ruhm und finanziellen Erfolg oftmals in einem unsteten Wanderleben unter großen Mühen erarbeiten mußten. 

Anmerkungen: 

(1) Siehe z. B. AT Eduard Zeller, Planck, Tscherning, Loller, Pfeilsticker. 
(2) Karl August Zeller: Die Familie Zeller aus Martinszell, Stuttgart 1974. 
(3) Johann Niconaus Stoll: Sammlung aller Magister-Promotionen, welche zu Tübinger von Anno 1477-1755 geschehen, Stuttgart 1756. 
(4) Hansmartin Decker-Hauff: Die Tübinger Haag und ihre Beziehungen zum Zabergaeu. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDBI.) 5 (1953), S.. 235-238; Karl Hess: Der Morolt-Hof in Hausen an der Zaber In: SWDBI. für Familien- und Wappenkunde 11 (1953), S. 313-316. 
(5) Richard Stawitz: Eine Abstammungsfolge Bloß. In: SWDBI. für Familien- und Wappenkunde 17 (1982). S.5. 17-18. 
(6) Walther Pfeilsticker: Neues Wuerttembergisches Dienerbuen (NWDB), 3 Bände, Stuttgart 1957-1974, par. 2358. 
(7) NWDB, par. 1933. 
(8) Hannelore Müller: Sebastian Loscher und sein Geschlecht. In Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 3 (1954), S. 153-209. 
(9) Neue deutsche Biographie (NDB), Bd. 15, S. 193-194); Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler (Thieme-Becker), Bd. 23, S. 401. 
(10) Hannelore Müller: Die Künstlerfamilie Daucher. In: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 6(1958), S. 131-165. 
(11) NDB, Bd 3,S. 525-526; Thieme-Becker, Bd. 8, S.427-431. 
(12) NDB, Bd. 9, S. 512 ff. 
(13) Hannelore Mueller: Michel und Gregor Erhart. In: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 5 (NBD6), S.16-44; NBD! Bd. 4, S. 582-584; Thieme-Becker, Bd. 10, S. 599. 
(14) Lore Riegraf: Ahnenliste Robert Mayer. Sonderheft der SWDBI. für Familien- und Wappenkunde 1982, In 6374 ff. 
(15) NDB, Bd. 4,S. 537-539. 
(16) Martin Kessler: Die Ahnen des Pfarrers Gustav Kessler (1833-1918). In: Deutsches Familienarchiv 66(1977), S. 228-232. 
(17) NWDB, par.; 1075; NDB, Bd. 3, S.525. 
(18) Thieme-Becker, Bd. 35, S.345-346. 
(19) Thieme-Becker, Bd. 21,S. 509; NWDB par. 1639, 1645,1648.1916,1917, 1946.2338, 3264; Ferdinand Friedrich Faber: Die Württembergischen Farnilienstifungen, Neudruck 1940,3, par. 44; 30, par. 102; 69, par. 39. 
(20) NWDB, par.1075. 
(21) Vgl. auch die AT Raffeisen, Robert Mayer, Hauff. 
(22) Allgemeine deutsche Biographie. Bd. 38, S. 577-579; Thieme-Becker, Bd. 33, S. 383; NWDB par. 1919. 
(23) Walther Ludwig: Vorfahren von Paul Ludwig: In: Deutsches Familienarchiv 116 (1994), S.161 und 190; Saur: Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 6, S. 437 ff.