Die Elbmarschen
 
 

Der Uferrand der Elbe weist in seiner ganzen Ausdehnung von Harburg bis Cuxhaven eine ziemlich dichte, aeltere Besiedlung auf. Diese laesst sich nicht nur urkundlich sowie nach Orts- und Flurnamen nachweisen, sondern ist noch im 16. Jahrhundert in einer besonderen Verfassungsform, deren charakteristisches Merkmal das Fehlen von Schoeffen ist, erkennbar. 

Der Zone dieser aelteren Verfassung gehoeren im Alten Land die Kirchspiele Twielenfleth, Gruenendeich, Borstel und Teile von Estebruegge und Neuenfelde an. Das Kerngebiet bildet die Kehdinger Marsch, die mit Ausnahme des Kirchspiels Oederquart ganz dazu gehoert. Im Amt Neuhaus schliessen sich die Kirchspiele Oberndorf, Geversdorf und Belum, in Hadeln Otterndorf und Neuenkirchen an. 

In der Hadler Marsch muss sie fast gleichzeitig mit der Besiedlung der Wesermarschen, kurz nach 1106, begonnen haben. Hier traten die beiden Maechte, die schon im 11. Jahrhundert in staendiger Rivalitaet zueinander standen, auch in der Leitung des Kolonisationswerkes in Konkurrenz: die Erzbischoefe von Bremen und die Herzoege von Sachsen. Im Hadler Hochland rief Herzog Lothar von Supplinburg die Kolonisation ins Leben, waehrend sich die Erzbischoefe im Sietland stark am Ausbau der Marsch beteiligten. 

Im Bereich der Grafschaft Stade dagegen, also in den bremischen Marschen, setzte die Kolonisation erst kurz nach 1140 unter Erzbischof Adalberto ein. Ein Privileg desselben wird zwar urkundlich genannt, ist aber nicht erhalten. 

Die oertlichen Leiter der Kolonisation waren in allen Marschen meitens Ministerialgeschlechter, die fuer ihre Taetigkeit mit der niederen Gerichtsbarkeit in den neugegruendeten Kirchspielen belehnt wurden. Als Vorsitzende im Kirchspielsgericht fuehrten sie den Titel Schultheiss. Entgegen der bisher herrschenden Ansicht, koennen Schultheissen auch fuer das Alte Land und fuer Oederquart nachgewiesen werden. Nur in den beiden groessten Kirchspielen des Hadler Hochlandes, in Altenbruch und in Luedingworth, wurden die Schultheissenaemter wohl schon seit Beginn der Kolonisation den Gemeinden uebertragen. Die Ausschaltung adliger Gerichtsherren laesst sich hier wohl nur auf die Kolonisation durch Lothar zurueckfuehren; Urteilsfinder sind in allen Kirchspielsgerichten Schoeffen. 

Der Vergleich der Verfassungen in Verbindung mit urkundlichen Nachrichten fuehrte zu dem Ergebnis, dass ein wesentlicher Teil der Kolonisten hollaendischer Herkunft gewesen sein muss, der seine Gerichtsverfassung, eben die fraenkische Schoeffenverfassung, aus se-ner Heimat mitbrachte. Im Alten Land, vor allem aber im Amt Neuhaus und im Lande Kehdingen, fand sich die Schultheissenverfassung ueberall dort, wo auch hollaendische Siedlung nachweisbar war. So kann man auch fuer das Land Hadeln hollaendische Besiedlung annehmen, obgleich hier keine urkundlichen Nachrichten ueber die Herkunft der Kolonisten erhalten sind. Der Prozentsatz der hollaendischen Siedler muss so gross gewesen sein, dass er einen bestimmenden Einfluss auf die Einrichtung von Verfassung und Verwaltung ausueben konnte. 

Die Kolonisten wurden ueberall als persoenlich freie Bauern angesiedelt. Wo im Mittelalter vereinzelt Unfreie oder Minderfreie genannt werden, ist es immer in der alten Siedlungszone. Die Gruendung der Gemeinden beruht auf dem freien genossenschaftlichen Zusammenschluss der Kirchspielleute, d.h. aller, die in dem betreffenden Kirchspiel eine Hufe besassen. Diese Hufe war frei vererblich und verkaeuflich. Auf dem genossenschaflichen Zusammenschluss beruhte das Recht wie die Pflicht zur Uebernahme der Kirchspiel- und Deichaemter. Die oberste Pflicht jedes Kirchspielinsassen galt in der Marsch die Erhaltung des Deiches nach dem Grundsatz: de nich will dieken, mut wieken. Die Aemter der Deich- und Schleusengeschworenen wechselten jaehrlich von Hof zu Hof. Der staendige Kampf um den Deich, der als Lebensgrundlage der Marschsiedlung straffe Organisation und exaktes Funktionieren der Selbstverwaltung verlangte, war eine der wesentlichsten Ursachen fuer die Erhaltung der baeuerlichen Freiheit. 

Schon frueh erfolgte in den Marschen der Zusammenschluss der einzelnen Kirchspiele zur Landesgemeinde. Um 1300 war diese Entwicklung ueberall abgeschlossen: 1274 erschien die "universitas hominum in-sulae Caddiggie" (Kehdingen), 1300 die "universitas terrae Hadhe-leric" (Hadeln), 1361 "dat mene Oldelant" (Altes Land). Die Bezeichnung "terra", die ebenfalls in dieser Zeit ueberall aufkommt, ist auch fuer das Alte Land schon 1287 belegt. 

Unsere Marschen koennen daher in die Reihe der freien Landesgemeinden gestellt werden, wie sie auch fuer Friesland, Dithmarschen, die Schweiz und einige Teile Westdeutschlands genannt werden. Charakteristisch ist nicht das Fehlen jeglicher Herrschaft ueber der Landesgemeinde, sondern deren staatliche Abgeschiedenheit gegenueber der Landesherrschaft. Genau das gleiche gilt fuer das Land Hadeln, das Land Kehdingen und das Alte Land. Eine Ausnahme macht das Amt Neuhaus. Hier ist der genossenschaftliche Zusammenschluss nicht ueber die Ebene des Kirchspiels hinausgelangt. 

Die wirtschaftlichen Bedingungen der Kolonisation sind zwar im ganzen aehnlich, zeigen hingegen die mannigfaltigsten Abweichungen im einzelnen.

Wie fuer den gesamten niedersaechsischen Raum wurde auch fuer die Entwicklung der Elbmarschen der Sturz Heinrich des Loewen 1180 von entscheidender Bedeutung. Das Land Hadeln gelangte unter die Herrschaft Herzog Bernhards von Askanien als rechtmaessigen Nachfolger Heinrichs im Herzogsamt, nicht durch einen Vertrag, den das Land Hadeln mit dem Herzoge geschlossen haette. 

Das Alte Land und das Land Kehdingen als Teile der Grafschaft Stade kamen dagegen nach langjaehrigen Kaempfen ebenso wie die Ostemarsch und das spaetere Amt Neuhaus 1236 in den endgueltigen Besitz des Erzbistums Bremen. 

Von nun an ging die Entwicklung in beiden Gebieten verschiedene Wege, die von einer urspruenglich sehr einheitlichen Verfassung aller Kolonisationskirchspiele zu den differenzierten Verhaeltnissen des 16. Jahrhunderts fuehrten. 

Erst nach 1180 begann allmaehlich in Sachsen die Ausbildung von Landesherrschaften; damit parallel vollzog sich die Ausbildung der Landesgemeinden in den Marschlaendern, ja diese hatten sogar einen gewissen zeitlichen Vorsprung. 

Fuer das Land Hadeln setzte damit eine Zeit ruhiger innerer Entwicklung ein. Nach Sueden durch eine breite Sumpfzone ziemlich geschuetzt gegen das Erzbistum Bremen, bekam es andererseits auch wenig von Eingriffen der Herzoege von Sachsen-Lauenburg, deren Macht beschraenkt war, zu spueren. Unter dem Einfluss der fuehrenden Kirchspiele des Hochlandes, Altenbruch und Luedingworth, richtete sich hier die Entwicklungstendenz auf die Verdraengung des Adels aus den Kirchspielgerichten. Mit der Vertreibung der Lappes aus Nordleda im Jahre 1382 ist dieses Ziel erreicht. Gleichzeitig dehnte sich die Verfassung der Kolonisationkirchspiele auch auf die alten saechsischen Kirchspiele Otterndorf und Neuenkirchen aus. Nach 1373 tauchten die judices und jurati nicht wieder auf. Das Land Hadeln gelangte damit als einziges zu einer vollkommen einheitlichen Durchbildung seiner Verfassung. Im 14. Jahrhundert, das, wie die zahlreichen selbstaendig von der Landesgemeinde abgeschlossenen Vertraege beweisen, die Bluetezeit der Hadler Selbstverwaltung war, trat das Land Hadeln nahezu unabhaengig auf. 

Das Land Kehdingen nahm, obgleich es mit Ausnahme (Oederquart) keine hollaendische Kolonisation aufzuweisen hatte, die gleiche Entwicklung zur freien Landesgemeinde. Diese war schon 1274 so gefestigt, dass sie, geschuetzt durch das unzugaengliche Kehdinger Moor, welches das Land damals noch als Insel erscheinen liess, den Versuch machte, die Herrschaft des Erzbischofs ganz abzuwerfen. Das misslang zwar, fuehrte aber nicht, wie im Fall der Unter-werfung des Stedinger Landes, zur Zerstoerung der alten Freiheiten und Selbstverwaltungsrechte des Landes. Es konnte nur wahrscheinlich gemacht, jedoch nicht bewiesen werden, dass das Aufkommen der Kehdinger Hauptleute, die gleichfalls nicht zu den aeltesten Beamten des Landes gehoerten, mit diesen Kaempfen in Zusammenhang stand. 

Trotz der verschiedenen Entwicklung hatten diese Marschen im 16. Jahrhundert eine vollkommen durchgebildete Selbstverwaltung. Daneben nahmen Graefen die Rechte der Landesherrschaft wahr. 

Waehrend im 16. Jahrhundert der Angriff des Fuerstenstaates auf die Marschlaender an der Nordseekueste Dithmarschen, Wursten, Butjadingen und Friesland einsetzte, die nach heftigen Kaempfen der Uebermacht der Fuersten erlagen, bleiben die Elbmarschen von diesem Schicksal verschont. Eben die Tatsache, dass sie nicht den Schritt zur vollkommenen politischen Unabhaengigkeit getan hatten, bewahrte sie vor dem Verlust ihrer alten Rechte und Freiheiten.

Sehr zu Unrecht sind die Elbmarschen, besonders Land Hadeln, in der Forschung bisher hinter Dithmarschen und Friesland zurueckgetreten, vor allem deswegen, weil sie es nicht noetig hatten, ihre Freiheit mit Waffengewalt zu verteidigen. 

Das Verhaeltnis des Landes Hadeln zur Landesherrschaft der Herzoege von Sachsen-Lauenburg war durch die jahrhundertelange Bestaetigung der Privilegien vor der Landesgemeinde beim Regierungsantritt der Herzoege verfassungsmaessig fest verankert, dass sie sogar das Aussterben des Herzogshauses ueberdauerte. So ergibt sich fuer das Land Hadeln die erstaunliche Tatsache, dass die Schultheissenverfassung in ununterbrochener Kontinuitaet,- wenn auch unter dem Wechsel der Herrschaft des Hauses Sachsen-Lauenburg, der Koenig von Hannover und von Preussen, und schliesslich in der Weimarer Republik in ihrer aeusseren Form vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1932 erhalten blieb. 

Kurzer Abriss der Hadler Geschichte

Deutung des Namens "Hadeln" 

Die Hadler Bauern waren "freie Bauern", die um ihre Freiheit und Unabhaengigkeit bis in die Zeit des Kaiserreichs gerungen haben. 

Um die Bedeutung des Namens "Hadeln" ranken sich neben Vermutungen und wissenschaftlichenen Arbeiten auch verschiedene Sagen: 

1) Es soll Hadeln soviel wie "hahlen", also "holen" bedeuten, weil sich die Einwohner das Land muehsam dem Meere abringen mussten.

2) Der Name stammt von einem Sachsenfuehrer "Hadulat", der das Land 540 n. Chr. dem Koenig Ernefried von Thueringen in blutiger Schlacht - nach anderer Aussage mit List und Tuecke - abgenommen haben soll. 

3) Lange vor Christi Geburt hat in Daenemark ein maechtiger Koenig gesessen, der seinem Sohn Frisca die norddeutschen Marschen als Statthalter uebergab. Frisca hatte 7 Soehne und 1 Tochter Wiegmet, die einen Edlen namens Holderich heiratete. Als Mitgift erhielt sie einen Streifen Land zwischen Weser und Eider. Seitdem heisst dieses Gebiet Wigmodien. Aus dieser Ehe gingen 3 Soehne, Hadelrich, Tiedmar und Kadelin hervor. Jeder bekam einen Streifen Land, der nach ihm benannt wurde. Hadelrich = Hadeln, Thietmar = Dithmarschen, Kadelin = Kehdingen. 

Die Namensforscher streiten sich schon jahrhundertelang um die richtige Deutung. Im Jahre 1837 hat Boedekker den Namen mit "Hahlland" = Hohles Land erklaert. Wilhelm Olbers Focke dagegen behauptet, dass "hadu" = Haupt, ein Landvorsprung in die See sei. 1875 uebersetzte Krause, Stade, das Wort "Haduloh" als Streitwald oder Kampfheide (altsaechs. hathu = Kampf). 1961 vertrat der bekannte Namenforscher Bahlow die Ansicht, dass der erste Na-mensbestandteil "had" = Sumpf, Moor, Moder ist. Plassmann widersprach mit dem Heinweis, dass der Name Hadeln urspruenglich nichts mit Wasser und Sumpf zu tun gehabt habe, da er erst im Laufe des Mittelalters von der Geestlandschaft der Hohen Lieth auf die Elbmarsch uebertragen worden sei. Bahlow berief sich auf das altenglische Wort "heado" = Meer. Der Cappeler Pastor Friedrich Renner hat um die Mitte des 18. Jahrhunderts in seinem, in der Bremer Staatsbibliothek verwahrten, Vocabular u.a. das Wort "hadhe" = Gewitter, erregtes Meer, aufgefuehrt. Da aber auch das Althochdeutsche "Strit" und das mittelenglische "strut" = Streit, mit Bezeichnungen verwandt sind, die die wilde Natur kennzeichnen (althochdeutsch "struot" = Sumpf, Sumpfwald, mittelniederdeutsch "strot" = Gebuesch, oberdeutsch (1321) "struttmatt", 1359 "stritmatten", dazu die topografischen Bezeichnungen Streitbach, - -berg, -busch, -feld, -holz, -wiese, wird man annehmen duerfen, dass das altsaechsische "hathu" eine aehnliche Bedeutung gehabt hat. Sie ist zwar nicht unmittelbar ueberliefert. Die Form "Hadebusckmersk", die 1496 fuer den sonst als "Hademersck" geschriebenen Namen fuer Hademarschen erscheint, und auch die Tatsache, dass die norwegische Landschaft Hadeland einst sehr waldreich gewesen ist, duerfte dafuer sprechen Haduloh mit "wildes Buschland" zu uebersetzen. 

Die Geschichte des Landes 

126 - 44 v. Chr. wird die Auswanderung und der Untergang der Teutonen, Kimbern und Abbronen geschildert. Das unaufhaltsame Vordringen des Meeres soll diesen Staemmen die Wohnsitze geraubt haben. 

Plinius berichtet 60 n. Chr. recht ausfuehrlich und drastisch von den "armseligen Menschen, die sich kein Vieh halten und sich nicht von Milch ernaehren koennen. Nicht einmal wilde Tiere konnten sie jagen, weil es keine gab, denn ihr Land ist voellig strauchlos. Nur der Fischfang bot ihnen Nahrung. "Schlamm" trockneten sie, mehr vom Winde als von der Sonne und brennen ihn dann. Regenwasser in Gruben gefangen, ist ihr einzigstes Getraenk." 

804 n. Cr. liess Karl der Grosse einen Teil der vornehmsten Leute von beiden Elbufern nach Brabant und Flandern deportieren. Etwa 7 Jahre spaeter durften sie wieder in ihre Heimat zurueckkehren. 

1100 etwa begann die Eindeichung der Elbe. Genaue Angaben sind nicht ueberliefert. Ob der Hadler Elbdeich allmaehlich aus der Eindeichung der verschiedenen Warften, im hiesigen Gebiet Wurten genannt, entstand, d.h. im Laufe der Jahrhunderte aus einzelnen Privat- oder kleinen Gemeinschaftsdeichen zusammenwuchs, oder durch die Initiative des Landesfuersten, des Herzogs Lothar von Sachsen, der als Kolonisator bekannt war, gebaut wurde, laesst sich nicht mehr feststellen. Moeglicherweise kommt die Eindeichungsidee von dem Bremer Erzbischof Friedrich; er hat mit der Eindeichung der Bremer Laendereien - wie es entsprechende Urkun-den im Bremer Urkundenbuch beweisen - um 1106 begonnen. Um diese Zeit soll mit dem "Lande Hadeln" eine merkliche Veraenderung vor sich gegangen sein, indem es von der Grafschaft Stade abgetrennt und zu einer selbstaendigen Grafschaft gemacht wurde. Es mag dahingestellt sein, ob dieses in Verbindung mit der Eindeichung stand. Die ersten schriftlichen Auf-zeichnungen ueber den Elbdeich stammen von etwa 1300. 

Die Eindeichung war unter Beruecksichtigung der seiner Zeit technischen Moeglichkeiten eine Grosstat. Der Hadler Elbdeich hat eine Laenge von etwa 20 Kilometer. Die Belastung fuer die Einwohner muss ungewoehnlich gross gewesen sein und hat bei der Einstellung der persoenlichen Freiheit und Unabhaengigkeit ohne Zweifel eine starke Fuehrung erfordert. 

Zur Eindeichung sind wahrscheinlich die im Deichbau erfahrenen Hollaender herangezogen worden, denen man als Gegenleistung, wie beschrieben, gewisse Rechte und Freiheiten einraeumte. 

1238 Buendnis zwischen Hadeln, Wursten und Hamburg, dass sich in erster Linie auf die gegenseitige Unterstuetzung im Handel und in der Schiffahrt bezog. 

1307 - Pest. Der Ort Luederskoop starb aus. In Sahlenburg wurden 160 Haeuser leer. Ausserdem noch schlechte Ernte. 

1381 - Eine ausgesprochen wohlfeile Zeit. 15 Eier = 1 Pfennig. 1 Tonne besten Bieres 4 Schilling. 1 Pfund Butter oder Speck 2 Pfennig. Dafuer erhielten allerdings die Tageloehner neben der Bekoestigung auch nur 1 1/2 Pfg. Tageslohn. 

1400 - Otterndorf erhaelt das Stadtrecht. 

1407 - Verpfaendung des Landes Hadeln einschliesslich der Stadt Otterndorf durch den Landesherrn Herzog Erich IV. von Lauenburg an die Stadt Hamburg fuer 1.150 Mark. Wiedereinloesung erfolgte erst 1480 durch Herzog Johann IV. von Lauenburg fuer 3000 Goldgulden. Waehrend des Besitzes durch Hamburg gab es verschiedene Unruhen, weil die Hamburger gewisse Rechte der Hadler aufheben bzw. einschraenken wollten. Hamburg gab schliesslich nach. 

1521 - Erste evangelische Predigt im Lande Hadeln. Anlass fuer den Bremer Erzbischof Christoph, das Land in den folgenden Jahren zu ueberfallen, auszurauben und den Zehnten einzuziehen. Herzog Magnus von Lauenburg konnte, da er anderweitig kriegerisch gebunden war, nichts unternehmen. 

Bei einem spaeteren Ueberfall durch den Oberst Haensken von Halberstadt mit 700 Soldaten wurden in gut 5 1/2 Wochen rund 4560 Tonnen Bier verbraucht. Bei ihrem Abzug liessen sie sich noch 100 Gulden geben. Haensken von Halberstadt wurde 1530 von Bremern ermordet. 

1535 - brandschatzte ein Oberst mit 800 Soldaten und verlangte 13.000 Taler, wovon 8.000 in bar bezahlt wurden, der Rest musste nach Bremen geschickt werden. 

1547 wurde eine Verheerung des Landes durch den Grafen Albrecht von Mansfeld durch eine Zahlung von 4000 Taler abgewendet. Die Haelfte musste in 10 Tagen nach Berderkesa und der Rest einen Monat spaeter gezahlt werden.

1554 - mussten an den "Penninckmeister und Schriver " des Herzogs Heinrich von Braunschweig als des Kaisers oberster Feldherr 10.000 Taler nach Jork im Alten Lande gezahlt werden, weil das Land dem Feinde des Kaisers, dem Grafen von Mansfeld, Geld und Proviant hat zukommen lassen.

1577 - Herzog Franz von Lauenburg, der Landesherr, erhob eine Tuerkensteuer von 16.000 Taler. 

1605 - Pest, die sich ueber 3 Jahre hinzog. Im Lande Hadeln mehr als 3000 Tote. In Wanna hat man mangels Holz sogar den Kirchenboden zu Saergen verarbeitet. 

1616 - brannte das Schloss zu Lauenburg ab. Daraufhin hat Hadeln dem Herzog eine Brandsteuer von 8 Schilling je Morgen Land bewilligt. Die Steuer wurde unter der Bedingung gewaehrt, dass sie als eine Freiwillige anerkannt wird. Bei dem Feuer sind fast alle historischen Hadler Urkunden mit verbrannt.

1618 bis 1648 hohe steuerliche Belastungen waehrend des 30jaehrigen Krieges. Neben den ueblichen Kosten fuer die Lauenburger Herzoege waren es rund 700.000 Taler, die die Hadler aufbringen mussten. 

1658 - zahlte Hadeln 30.00 Taler an den Generalmajor Arentsohn, der Bremervoerde vom Januar bis zum Mai belagerte. Das Land Hadeln musste sich das Geld leihen, konnte es aber 1659 bereits zurueckzahlen. 

1677 - Tabakrauchen auf der Strasse wurde durch eine Verordnung des Herzogs bei 10 Rthl. Strafe verboten. Es wurde das Umwuehlen des Friedhofes durch die Schweine sehr geruegt. Diese sollten - wenn man ihrer habhaft wird - dem Armenhaus zur Verfuegung gestellt werden. 

1689 - 20. September, starb Herzog Julius Franz von Lauenburg, der letzte seines Stammes. Um die Erbfolge als auch den Besitz des Landes Hadeln setzten viele Streitigkeiten ein. Die beiden Toechter des Herzogs, der Herzog Georg Wilhelm von Celle und Lueneburg, der Kurfuerst von Sachsen und Koenig von Polen und der Fuerst von Sachsen- Anhalt erhoben Ansprueche. Die Folge war, dass das Land unter kaiserliches Sequester fiel. 

1717 - richtete die Weihnachtsflut grossen Schaden an. 1430 Deichruten (1 Deichrute ca. 5 Meter) wurden weggerissen. Das Land wurde ueberschwemmt und stand bis zu 10 Fuss (1 Fuss ca. 29,2 cm) unter Wasser. Es ertranken im Lande Hadeln insgesamt 311 Menschen, 6235 Rinder, 1365 Pferde und viel anderes Vieh, 79 Haeuser stuerzten ein. 

1718 - am 25.02. eine neue Sturmflut, die den Schaden noch vergroesserte.

1731 - am 1. Mai kam das Land an Georg II., Koenig von Gross-Britannien, Kurfuerst von Hannover und Braunschweig. Damit hoerte das kaiserliche Sequester auf. Die feierliche Uebergabe erfolgte am 23. Juli 1731. Schon im Oktober desselben Jahres beantragte der Koenig eine Landessteuer von 10.000 Reichstaler und die Einquartierung einer Kompanie Infanterie auf Landeskosten. Die Einquartierung wurde auf 30 Mann herabgesetzt, die Landessteuer aber blieb.

1735 - wurde das Tragen von Trauerkleidung durch das Dienstpersonal, das Bekleiden der Kutschen und des Geschirrs mit schwarzem Tuch verboten. Auch die ueppigen Leichenmahle, die schon 1716 verboten waren, wurden mit einer Strafe von 100 Gulden belegt. 

1736 - Verordnung des Koenigs Georg II. gegen die Widerspenstigkeit der Kinder, die soweit ging, dass diese Hand an ihre Eltern legten. Zuchthaus oder Karreschieben wurde als Strafe vorgesehen. 

1740 - ein hollaendischer Schiffer bringt Rapssaat nach Hadeln. Die Einsaat fiel guenstig aus und fand viele Nachahmer. 

1756 - Beginn des 7jaehrigen Krieges. Hannover kaempft mit Oesterreich (Maria Theresia) gegen Preussen (Fr.d. Grossen). Franzoesische Dragoner erpressen das Land, werden aber vertrieben. Das Land muss Trainknechte und 4spaennige Wagen zum Getreidetransport stellen und gefangene Franzosen verpflegen. Die Verpflegungskosten betrugen insgesamt 21.858 Mark und 2 Schill. 

1759 - Hadeln soll Rekruten stellen, beruft sich aber auf das Privileg, keine Rekruten stellen zu brauchen; bewilligt aber zur Abloesung 20 - 25 Rthl. je Mann, unter der Bedingung, dass diese Zahlung als ausserordentliche Kriegssteuer anerkannt wird. Dem wird entsprochen. 

1761 - Hadeln muss 200 tuechtige Pferde, 5 Fuehrer mit 50 Mann auf 14 Tage - ohne Hin- und Rueckreise - nach Hannover stellen. Statt geforderter 133 Rekruten und 33 Trainknechte begnuegt sich Hannover mit 166 Trainknechten, die im Lande angeworben wurden. 

1769 - Die jeweils dritten Feiertage (Ostern, Pfingsten und Weihnachten) werden abgeschafft. 

1781 - wurde verordnet, dass keine Schauspieler im Lande aufgenommen werden und keine Schauspiele stattfinden, dieses sei den Leuten schaedlich.

1787 - zum ersten Male Impfung gegen Blattern; kein Kind ist trotz der herrschenden Epidemie gestorben. 

1793 - sollen 205 Rekruten gestellt werden. Das Land zahlt eine Abfindung von 21 Rthlr. je Mann. 

1795 - 800 Mann hann. Infanterie besetzen Schloss und Amt Ritzebuettel. Hadeln muss Kriegskosten stellen. Kosten: 13.385 Mark 12 Schill. 

1801 - ruecken 24 000 Preussen in Kur-Hannover ein, weil Gr.Britannien - Personalunion mit Hannover - sich die Seeherrschaft anmasste. Hadeln wurde im April besetzt. Die Kosten fuer die Zeit vom April bis November betrugen 63.119 Mark 20 Schill. Bis 1806 war das Land abwechselnd unter franzoesischer, hannov. oder preussischer Besetzung. 

1810 - wurde Hannover einschliesslich Hadeln dem franzoesischen Koenigreich Westfalen einverleibt. 

1812 - sind von Hadeln 40 Rekruten mit nach Russland genommen, von denen 5 gestorben und 2 in russische Dienste getreten sind. 

1813 - Aufstand in Hadeln, nachdem Hamburg von den Franzosen geraeumt war. Hadeln stellt freiwillig fuer die Legion statt 20 berittener Husaren 30. 

1814 - Kurfuerstentum Hannover wird Koenigreich. 

1820 stirbt Georg III., es folgt Georg IV. 

1845 - Ausweisung des in Otterndorf lebenden Hoffmann von Fallersleben durch die hann. Regierung. Er geht nach Hamburg. 43 Hadler senden ihm dorthin eine Huldigungsadresse. 

1853 - wird der Hadler-Kanalbau in Angriff genommen. 

1866 - Hannover wird als Folge des deutsch-oester. Krieges von Preussen besetzt. Hadeln wird preuss. Kreis. 

1879 - Bau der Eisenbahn Harburg-Cuxhaven durch eine belgische Eisenbahnbaugesellschaft; Inbetriebnahme 1881. Uebernahme durch den Staat 1890. 

1884 - Aufloesung der Hadler Staende; dafuer Kreistag. 

1936 - Zusammenlegung der Kreise Hadeln und Neuhaus/Oste. 

1968 - Gebiets- und Verwaltungsreform; das Land Hadeln wird zum Grosskreis Cuxhaven geschlagen. 

Die Gemeinden Osterbruch, Neuenkirchen, Nordleda und die Stadt Otterndorf schliessen sich zu einer Samtgemeinde mit dem Namen "Samtgemeinde Hadeln" zusammen. So bleibt der jahrhunderte alte Name in dieser Institution erhalten. 

Contributed by Heiko Voelker, April 10, 1996