STAMMBUCH DER

HUGEN UND PREUEN

FUENFHUNDERT JAHRE HAUSGESCHICHTE

Mit einem Anhang "Biographien"
und einem Nachtrag "Der Weltkrieg"

"Wohl dem, der seiner Vaeter gedenkt"

Fuer die Familie verfasst von MICHAEL CONRAD THEODOR HUG

Lahr, Baden, Germany, 1914


Vorwort.

Nach der beifaelligen Aufnahme meiner vorjaehrigen Arbeit "Chronik des Hauses Hugo", von welchem ich muetterlicherseits abstamme, entschloss ich mich, in diesem Jahre den Stammbaum und die Geschichte der Familie "HUG-PREU", der mein Vater angehoerte, zu bearbeiten. Dadurch habe ich zugleich einer Anregung aus meinem engeren Verwandtenkreis entsprochen und beklage es nur, dass eine solche Aufgabe fuer den Verfasser in Wahrheit nichts anderes ist, als ein Gang durch einen grossen Friedhof, um das Andenken Verstorbener auszugraben. Allen, die mir in freundwilliger Weise dabei an die Hand gingen, spreche ich auch an dieser Stelle meinen Dank aus. 


Im Gegensatz zum Hause Hugo waren der Familie Hug bis zu ihrer Niederlassung in Lahr einfachere Verhaeltnisse beschieden, waehrend sich die Familie Preu schon von altersher eines groesseren Wohlstandes und Ansehens ruehmen durfte. Beide Familien sind dem evangelischen Glauben ihrer Vorfahren bis heute treu geblieben. Wenn ich mich in dieser Schrift besonders mit meinem Grossvater THEODOR CONRAD HUG I lange beschaeftige, so geschah dies aus zweierlei Ursachen, -einmal, weil er der Begruender unserer in Lahr angesiedelten Familie dieses Namens, und dann, weil er als ein Grosskaufmann im wahren Sinn des Worts anzusprechen ist, dem wir schon deshalb eine eingehende Schilderung seiner grosszuegigen und erfolgreichen Taetigkeit schulden; sie duerfte fuer seine maennlichen Nachkommen, welche saemtlich seinen Beruf sich zu eigen machten, nicht ohne Interesse sein. Damit moechte ich aber keineswegs einer erblichen Kaufmanns-Dynastie in der Familie das Wort reden, sondern trete im Gegenteil dafuer ein, dass man die Soehne nicht immer wieder in den gleichen Beruf des Vaters stellt. Derselbe sollte mehr der persoenlichen Neigung und Befaehigung des Einzelnen angepasst sein, da z.B. mancher das Zeug zu einem tuechtigen Beamten hat, sich jedoch fuer den Kaufmannsstand nicht eignet, und so auch umgekehrt. Aber ganz abgesehen von dem Ausmass persoenlicher Tuechtigkeit, ist die kaufmaennische Laufbahn, wie kaum eine andere, schwankenden Ertraegnissen, grossem Risiko und unvorhergesehenen Wechselfaellen in der Geschaeftslage unterworfen, welche sowohl ein Festhalten am Hergebrachten, als eine sichere Gewaehr fuer die Zukunft ausschliessen; -so konnte selbst das einst weitgebietende Handlungshaus der "Fugger" den Stuermen des 30jaehrigen Krieges nicht Stand halten. Die Berufswahl der Soehne ist eine Frage von groesster Bedeutung, da sie dem ganzen Leben das Gepraege verleiht und es nicht zuletzt die Sicherheit der Existenz ist, in welcher der Charakter sich festigt. 
Wie im Hause Hugo waren es auch hier wieder die Toechter, welchen die Kaufmannsfamilie Preu durch Heirat einen erfreulichen Zuwachs anderer Berufsstaende zu verdanken hat, worunter einige tuechtige Beamte, beruehmte Mediziner und namhafte Gelehrte zaehlen. 

Unter letzteren steht in vorderster Reihe ein anderer Preu'scher Schwiegersohn, mein Grossonkel CARL FRIEDRICH VIERORDT, welchen persoenlich zu kennen mir noch vergoennt war, und dessen verdienstvolles Wirken eine ausfuehrliche Besprechung in dieser Schrift mit Recht beanspruchen durfte.*) Aus den Abschnitten, welche ich den beiden Schwaegern und hervorragenden Vertretern zweier so verschiedener Berufsstaende gewidmet habe, wird unschwer zu ersehen sein, unter welchen Wandlungen der eine seinen Weg erst suchen musste, ohne je bestimmt zu wissen, ob er zum Ziele fuehrte, waehrend dem anderen ein Wegweiser gesetzt war, der ihm die gerade Bahn, an den Kreuzwegen vorbei, zum Ziele zeigte. Wenn nun in einer Familienchronik einzelnen viel Lob gespendet und von anderen nur wenig oder gar nichts gesagt wird, so ist dies in der Natur der Sache und gewiss auch in dem Mass der Verdienste begruendet, woraus man indessen nicht auf eine Zuruecksetzung der anderen schliessen darf. Obwohl vom heutigen "Uebermenschtum" noch unberuehrt, waren auch unsere Voreltern sicherlich alle nicht frei von menschlichen Schwaechen und Fehlern; dadurch wollen wir uns aber die Freude, ihre Nachkommen zu sein, nicht verkuemmern lassen. 

*) Mit Benuetzung einer dem Andenken Vierordt's gewidmeten Beilage zum Karlsruher Lyzeumsprogramm fur's Jahr 1865, vom damaligen Direktor Dr. Christ.Friedr. Gockel.


Die Ergebnisse meiner, aus Familienpapieren und persoenlicher Erinnerung ergaenzten Nachforschungen gewissenhaft wahrzunehmen, ist mir bei der Bearbeitung dieser Schrift, welcher ich den Namen "Stammbuch der Hugen und Preuen" gegeben habe, der leitende Grundsatz gewesen. Moege dieselbe eine wohlwollende Beurteilung finden und unseren spaeteren Nachkommen die Geschichte ihrer Vorfahren in bleibender Erinnerung erhalten, damit von ihnen nicht gesagt werden kann: 

Wenn du gestorben bist, wer denkt noch deiner?
Im ersten Jahr vielleicht ein Heer,
In zehn Jahren wohl noch einer,
In zwanzig Jahren keiner mehr.

Lahr, im Juli 1914

Theodor Hug

 Demnaechst erscheint, als Folge zur "Chronik des Hauses Hugo":
--Die Familie Pannifex, seit 1629--


"Schoen ist es, den Spuren seines Geschlechtes nachzugehen, denn der Stammbaum der Familie ist fuer den Einzelnen das, was die Geschichte des Vaterlandes fuer ein ganzes Volk ist.". (Esajas Tagner)

Das Wappen der H u g e n :

Das Wappen der P r e u e n :
(Es zeigt 2 springende Woelfe)

Ueber buergerliche Wappen schreibt die "Taegliche Rundschau:"


Es war keine Prunksucht und keine leere Protzerei, die den Anlass gaben, das Wappen ueberall anzubringen; auch keine Sucht, sich persoenlich vordraengen zu wollen oder eine Familie in den Schein des Reichtums zu bringen. Denn die Wappen sind zumeist ganz schlicht und schmucklos und bewahren, wenn auch Ausnahmen vorkommen, da es zu jeder Zeit eitle Menschen gegeben hat, ganz reine Formen, sind von jener edlen, einfaeltigen Ausdruckskunst, die erst jetzt wieder zu Ehren kommt. Es wart der alte, gute Familiensinn, der den Wappenschmuck suchte und foerderte. Das stolze Gefuehl der Zusammengehoerigkeit wurde durch das Wappen ausgedrueckt und gepflegt. 


Die Familie Hug, 1458 - 1914.

Eine Familiengeschichte soll auch ueber den Ursprung des Namens Aufschluss geben: Der Name Hug - ebenso Hugo und Haug, welche gleichen Stames sind -ist vom altdeutschen hugu oder vom alsaechsischem hugi (Gedanke, Sinn, Geist) abzuleiten und eine Verkuerzung des Vollnamens Hugubert oder Hugibald, woraus wieder Hubert und Huber gebildet ist. So aendern sich nicht nur die Zeiten und die Menschen, auch die schoenen alten Namen wurden geaendert und verstuemmelt. 

Das alte Geschlecht der Hugen, 1), auf welches unser Stammbaum hinweist, war zu Waldshut 2) ansaessig und wird dort 1458 - 1524 urkundlich genannt. Es begab sich, dass anno 1495 diese dem Hause Habsburg zu eigene Stadt durch eine grosse Feuersbrunst heimgesucht wurde, der 182 Haeuser zum Opfer fielen, wodurch zahlreiche Familien von heut auf morgen aus Wohlstand in Nothstand gerathen waren und sich gleichwohl keiner billigen Entschaedigung von Seiten der Herrschaft versehen durften. Die Stadt musste Capitalien in Basel und Schaffhausen aufnehmen, um den Wiederaufbau bewerkstelligen zu koennen. Indessen konnten sich die uebel zufriedenen Buerger dem Einfluss der kommenden Zeitereignisse nicht entziehen: -die neue Lehre Zwingli's in der Schweiz hatte auch in Waldshut der Reformation den Boden geebnet, wozu sich in der Folge noch der Bauernkrieg gesellte. Durch ihr Buendnis mit den rebellischen Bauern im August 1524 betrat die Stadt, abgesehen vom kirchlichen Abfall, auch in politischer Hinsicht den Weg der Revolution gegen ihren Landesherrn. Daraus ergab sich eine schwere Zeit fuer Waldshut, das in beiderlei Hinsicht unterlag und die Verbannung der Raedelsfuehrer sowie die Confiszierung ihrer Gueter als Strafe hinnehmen musste.3) 

1) Ferner gab es in Oberbaden die aeltern Geschlechter der Hugen von Heiligenberg (im 12. Jahrhundert) und von H u g s t e t t e n , sowie im Oberelsass die Hugen von Sulz. Wahrscheinlich sind diese Familien urspruenglich alle eines Stammes gewesen. 

2) Waldshut gehoerte zu Vorderoesterreich, das seit 1458 durch Erzherzog Sigismund und dessen Landvogt, Markgraf Wilhelm von Baden-Hochberg (+1473) regiert wurde.

3) Bei einer Unterhandlung von Abgesandten der Stadt Waldshut mit den Vertretern der Regierung am 12. September 1524 zu Engen, sagte der Statthalter, Graf Rudolf von Sulz, zu dem Waldshuter Ratsherrn Bollinger: "Wir kennen Dich und Deinesgleichen, ihr seid aufgezeichnet, Du musst der erste sein, dem man den Grind abhaut. Wir wollen euch das Evangelium um die Ohren blaeuen, das ihr die Haende ueber den Kopf zusammenschlagen muesst; wir wollen euch dermassen strafen, dass ihr allen Menschen, so der lutherischen Secte sind, ein Exempel und Vorbild sein muesst." (Freiburger Urk.-Buch I) Bollinger fluechtete in die Schweiz, wo wir seinen Nachkommen wieder begegnen.


Unter den Vielen, die damals entweder gezwungenermassen, oder um der neuen Glaubenslehre freiwillig ihre Heimath verliessen, befand sich auch ein Zweig der Familie Hug ,welcher sich der Reformation angeschlossen hatte; er wanderte in die benachbarte Schweiz aus, wo wir nun unsere Vorfahren zu suchen haben. 

Dort lebte vor 300 Jahren zu Beringen im Canton Schaffhausen ein Ortsbuerger,
Marcus Hug benennet, der im Jahr, da man zaehlte nach Menschwerdung Christi 1584, geboren ward und als unser leibhafter Ahnherr anzusprechen ist. Seine ihm anno 1607 angetraute Hausfrau Magdalena, aus dem weitverzweigten Geschlechte der Bollinger, dessen Wiege auch in Waldshut gestanden, schenkte im 6 Kinder: 

  1. Adam, *November 1608,
  2. Katharina, *4. November 1610,
  3. Hans, *10. Mai 1612, +
  4. Hans Jacob, *1. Januar 1614, 
  5. Hans II, *14. Juli 1616,
  6. Anna, *3. Februar 1621.
Diese Leute fuehlen sich wohl als Eidgenossen und Landwirthe auf eigener Scholle und gehoerten vornehmlich der Zunft der Weingaertner an, die in dem dazumal gesegneten Rebland mit reichlichem Ansehen und Wohlstand bedacht war. Sie hatten in der Folgezeit zahlreiche Nachkommen, von denen aber etliche bei einem grossen Landsterben, der schwarze Tod geheissen, um's Leben gekommen. Sintemalen es eine Unmoeglichkeit war, die Nachgebliebenen nach den oberflaechlichen Eintraegen im Kirchenbuch so auseinander zu halten, um daraus die einzelnen Stammlinien ableiten oder doch das, so uns belanget, fuersorglich herausziehen zu koennen, will es uns als das richtigste beduenken, die oftmals wiederkehrenden Vornamen der Soehne in alphabetischer Reihenfolge hier niederzuschreiben: 

Adam, Alexander, Bernhardt, Caspar, Conrad, Friedrich, Hans, Heinrich, Jacob, Johannes, Ludwig, Mathaeus, Thobias

Anmerkung: Das Gemeindewappen von Beringen fuehrt in der linken Schildhaelfte eine Weintraube. Merkwuerdigerweise findet sich dort, wie auch in Schaffhausen, keine Familie unseres Namens mehr vor. Dieselben sind schon vor langem, mit dem Aufhoeren des Weinbaues, in die innere Schweiz verzogen und zu andern Berufen uebergegangen. D.D.


Erst die spaeteren Eintraege ermoeglichten es, unsere Stammfolge wieder festzustellen, und das geschah mit 

Bernhardt Hug - dem Nachkommen eines der vorn genannten drei Soehne des Marcus - und seiner Ehegemahle Elisabetha Rost. Deren Sohn Mathaeus Hug I, geboren am 22. Juli 1714, nahm anno Domini 1741 eine Jungfer Ursula Pommer aus dem Canton Zuerich zur Frau und verzog nach der Stadt Schaffhausen, wo er unserer Familie erstmals den kaufmaennischen Stempel aufdrueckte und in dem 1569 erbauten Hause "Zum Dornhahn"*) eine Handlung begruendete. Dieses, einstens zum Kloster St. Johann gehoerend, soll als weltliches Asyl gestiftet worden sein, in das die Adeligen und Herren der Ritterschaft, so sie alt oder untauglich geworden, sich begaben, um darinnen ein eingezogenes und gottgefaelliges Leben zu fuehren, was aber nicht immer geschah; -was man darueber noch sagen koennte, ist dieser Schrift nicht dienlich und soll sohin unberedet bleiben. 

Er uebernahm das Geschaeft seines Vaters und ehelichte 1785, da er schon 42 Jahre zaehlte, Anna Weis aus Wiesendangen im Canton Zuerich; sie war aus der Sippe seiner Mutter und hatte waehrend deren Krankheit und nach ihrem Heimgang seinen Haushalt loeblich gefuehrt. Mathaeus und Anna hatten 5 Kinder: 

    1. Ursula, *4. Juni 1742,
    2. Mathaeus II, *22. Dezember 1743,
    3. Hans Jacob *13. August 1749,
    4. Barbara, *1754,
    5. Maria Magdalena, *29. Oktober 1759,
von welchem der Sohn Mathaeus Hug II, 1743-1826, unsere Linie eroeffnete und in dem Herrn Vogt Pommer aus Herblingen einen maenniglich angesehenen Goetti (Taufpathen) erhielt. 

*) In Schaffhausen hat jedes alte Haus seinen Namen, der ihm neben seiner urspruenglichen Bauart gewahrt bleibt. Das Anwesen "Zum Dornhahn" grenzte an zwei Gassen; der rueckwaerts, nach dem Muensterplatz gelegene Hof mit Stallung wurde spaeter ueberbaut und vom Vorderhaus abgetrennt. Letzteres hat nach dem Tode unseres Vorfahren nur selten seinen Besitzer gewechselt und gehoert seit 1890 dem Restaurateur Ad. Schaidt, Vordergasse 11.


Aus der Ehe von Mathaeus Hug II sind 5 Kinder hervorgegangen: 
    1. Theodor Conrad I, *15. September 1786,
    2. Maria Catharina, *12. Dezember 1787, frueh gestorben,
    3. Balthasar, *8. November 1791, frueh gestorben,
    4. Anna Maria, *10. Oktober 1795, +1856. 
        1. Diese war seit 1816 verheiratet mit Johann Schachenmann, *1791 und hatte 5 Kinder: 
        2. Johann Mathaeus, *1817 
        3. Luise, 1818, 
        4. Luise Friederike, 1819, 
        5. Maria Margarethe, *1822 
        6. Caroline Schachenmann, 1823 
    5. Maria Catharina II, 1798-1839, ehelichte 1816 den Kaufmann Carl Emmerich Ignaz Joh. Baptist Montfort*) aus Freiburg im Breisgau, 1790-1858, welcher ein Freund ihres Bruders und bei dessen frueherem Prinzipal J.F. Lenz, Steingutfabrik in Zell a.H., in leitender Stellung war. Von da uebersiedelten sie Mitte der 30er Jahre nach Freiburg, wo sie ein Manufakturwarengeschaeft gruendeten. Von ihren 6 Kindern sind die 5 aelteren in Zell geboren: 
  1. Theodor Carl Montfort, 1817-1879, Kaufmann in Freiburg, verheiratet mit Pia Herder von da. 4 Toechter und 1 Sohn. **)
  2. Eduard Friedrich Montfort, 1819-1881, hat studiert, war Oberamtsmann in Offenburg, spaeter Stadtdirektor in Bruchsal und vermaehlt mit Anna Finner, eines Apotheker's Tochter von Triberg. 2 Soehne und 1 Tochter.
  3. Maria Catharina Montfort, 1824-1894, war mit Gerichtsnotar Schilling in Ettenheim verheiratet. 2 Soehne und 1 Tochter.
  4. Carl Hermann Montfort, 1830-1886, gruendete ein Manufaktur- und Konfektions- geschaeft in Freiburg und heiratete die Tochter Bertha des Distr.-Notars Glyckherr in Kirchzarten, und in zweiter Ehe deren Schwester Elvira. 3 Toechter und 2 Soehne.
  5. Maria Anna Montfort, 1833-1870, war Lehrfrau im Kloster St. Ursula in Freiburg.
  6. Josepha Barbara Montfort, geb. 1837, ehelichte den Kaufmann Leo Dreher in Freiburg, wo sie als Seniorin der Familie Montfort im Witwenstand lebte. Keine Kinder.
*) Die Familie Montfort ist kath. Glaubens und fuehrt ihren Stammbaum zurueck auf Carl Franz Montfort, 1683-1769, Kaufmann, Buerger und Ratsherr, zuletzt Buergermeister von Freiburg, das damals unter oesterr, Herrschaft stand. Er war verheiratet mit Maria Lischier von Krotzingen und ist mit ihr im Freiburger Muenster bestattet.
**) Dieser 1855 geb. Sohn ist unser Vetter, Herr Carl Th. Fritz Montfort, Kaufmann in Freiburg, Kaiserstrasse 38.
Der aelteste Sohn des Mathaeus II war unser Grossvater

Theodor Conrad Hug I, 1786-1845, welchem ein besonderes Kapitel in dieser Schrift gewidmet ist. (Siehe Anhang.) 

Er ist der Begruender unserer L a h r e r Linie, war Grosskaufmann und seit Dezember 1817 verheiratet mit Amalie Charlotte Preu, 1798-1893, einer Tochter des Kaufmanns Johann Jacob Preu in Lahr und der Friedericke, geb. Kuenzlin (siehe unter Familie Preu.) 

Waehrend er schon im 59. Lebensjahr seiner Familie und seinem Wirkungskreise entrissen wurde, ueberlebte ihn seine Witwe um 48 Jahre. Pflichttreu im Leben und ruestig bis an's Ende, entschlief sie im biblischen Alter von nahezu 95 Jahren bei ihrer Tochter in Karlsruhe und ist in der Familiengruft auf dem alten Kirchhofe zu Lahr an der Seite ihres Mannes bestattet. Sie hatten zwei Kinder: 

  1. Amalie Theodore Hug, 1818-1901, vermaehlt seit 1837 mit dem damaligen Oberamtmann
  2. Gottlieb Friedrich Lang in Lahr, spaeter in Rastatt, welcher in erster Ehe mit Caroline Wirth geb. Freiin von Lotzbeck verheiratet war und 1859 als Geh. Regierungsrat in Mannheim gestorben ist. 

  3. Sie uebersiedelte nach Karlsruhe, wo sie nach einem langen Witwenstand, im Alter von 83 Jahren aus dem Leben schied. Von ihren 3 Toechtern heiratete: 

    1. Clara Lang, 1838-1906, den Grossh. Bad. Hauptmann der Infanterie, Dr. Max Gastel in Freiburg, gest. 1912 als Major a.D. zu Karlsruhe, und hatte 2 Kinder:

    2. Clara und Max, von welchen nur letzterer verheiratet ist und ebenfalls 2 Kinder hat.
    3. Mathilde Amalie Lang, 1839-1910, starb ledig in Karlsruhe.

    4. Laura Lang, geb. 1842, war seit 1868 mit dem 1883 verstorbenen Hauptmann der Artillerie, Gustav Kuntz, verheiratet und lebt mit ihrer einzigen Tochter Laura, welche unvermaehlt ist, in Karlsruhe. 

      Beide Offiziere machten den Feldzug 1870/71 gegen Frankreich mit und nahmen dann ihren Abschied.

    2. Theodor Conrad Hug II, 1821-1903, besuchte das Paedagogium in Lahr und kam nach seiner im vaeterlichen Geschaefte bestandenen Lehrzeit nach Morges i.d. franz. Schweiz und dann nach Marseille, wo er einige Jahre bei der Schweizer Firma Robert Freres in Stellung war. Diese stand in enger Geschaeftsverbindung mit seinem Vater, welcher hingegen einen Sohn aus diesem Hause bei sich aufgenommen hatte. Seine damals in die juengste franz. Colonie Algier unternommene Reise war ihm eine bleibende schoene Erinnerung. 

    Der 1845 erfolgte Tod seines Vaters rief ihn zur Uebernahme des Geschaefts nach Hause zurueck. Im gleichen Jahre fuehrte er seine Jugendliebe, Pauline Frieda Hugo, 1824-1909, heim, eine Tochter des Tabakfabrikanten Michael Hugo und dessen Gattin Friedericke, geb. Pannifex in Lahr (siehe "Chronik des Hauses Hugo".) Sie hatte, gleich ihren Schwestern, auf dem Paedagogium ihrer Vaterstadt, das unter der trefflichen Leitung des Professors und spaetern Geh. Hofrats C.A. Gebhardt stand, und in einem Institut in der franz. Schweiz, wie im Elternhause, eine sorgfaeltige Erziehung erhalten, welche sie auf ihre Kinder zu uebertragen bestrebt war. Unermuedlich in der Erfuellung ihrer Hausfrauen- und Mutterpflichten machte sie das Alltagsleben im Hause zum Mittelpunkt ihres Daseins, treu dem Grundsatz, dass dies der Boden, auf welchem wir wachsen und aus dem wir unsere Nahrung ziehen muessen; -und so koennte man fast sagen, dass ihr Verhaeltnisse und Menschen hauptsaechlich nur in ihren Beziehungen zur Familie bedeutsam erschienen. Das Vertrauen seiner Mitbuerger berief Theodor C. Hug mehrmals in's Ratscollegium, sowie in den Vorstand der Handelskammer. 

    Nach der 1880 erfolgten Aufloesung des Geschaefts, das Anfangs der 50er Jahre von der Marktstrasse in die Dinglinger-Vorstadt*) verlegt worden war, zogen die Eltern Hug nach F a l k e n a u an der Eger, wo ihre Tochter verheiratet war, begleiteten diese 1895 auch nach ihrem neuen Wohnsitz C a n n s t a t t und konnten dort im gleichen Jahre ihre goldene Hochzeit feiern. Sie durften sich noch eine Reihe von Jahren eines ruestigen Greisenalters erfreuen und fanden auf dem Uffkirchhof daselbst ihre gemeinsame Ruhestaette.
     
     

    Anmerkung: Dass ich in diesen Aufzeichnungen unsere engere Familie eingehender behandelt habe, darf ich wohl damit begruenden, dass sie in erster Reihe fuer unsere Nachkommen bestimmt sind. D.D.

    *) Jetzt Pfisterer'sches Haus, Kaiserstrasse 85


    Die von ihren 4 Kindern ist das zweite, Camill, nur 5 Monate alt geworden und sind 2 Soehne und 1 Tochter noch am Leben: 

    1. Michael Conrad Theodor Hug, geb. 26. April 1847. Nach dem Besuche des Gymnasiums in Lahr war er fuer die Dauer eines Jahres auf der Garnier'schen Handelsschule zu Friedrichsdorf am Taunus und ebenso lange im Institut Roulet zu Neuchatel, um dann seine gleich nach der Schulzeit begonnene Lehre im vaeterlichen Geschaeft zu beendigen. Spaeter nahm er Stellungen im Auslande an, zunaechst in Lyon, dann in Triest bei der Drogenfirma Julius Stettner, welche eine langjaehrige Geschaeftsfreundschaft mit seinem vaeterlichen Hause verband. Im Jahre 1868 auf 69 diente er als Einj.-Freiwilliger im 1. Bad. Leibdragoner-Rgt. zu Mannheim, machte das Kriegsjahr 1870/71 als Unteroffizier im Ersatzregiment mit und ist im Besitz der Kriegsdenkmuenze, sowie der 1897 zum 100. Geburtstage Kaiser Wilhelm's I. Gestifteten Erinnerungsmedaille. In's vaeterliche Geschaeft zurueckgekehrt, heiratete er im Oktober 1875 Marie Buehler, geb. 12. Dezember 1857, Tochter seiner Cousine Buehler geb. Jamm (Siehe "Chronik des Hauses Hugo") und deren Gatten Carl Buehler von Lahr, Rohtabakhaendler in Mannheim. Mit kaum 18 Jahren in den Ehestand getreten, ist sie heute die treubesorgte Grossmutter eines ihr an's Herz gewachsenen Enkelkleeblatts. 

    Anmerkung: Als die nachhaltigsten Eindruecke aus meiner Schulzeit moechte ich hier erwaehnen: Die Feier von Schiller's 100. Geburtstag am 10. November 1859 und des 50. Jahrestags der Voelkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1863. Waehrend sich die erste im Weichbild der Stadt abspielte und in einer zuendenden Festrede unseres Gymnasiumsdirektors, Herrn Geh.Hofrat C.A. Gebhardt, in der zu Ehren dieses Tages neu eroeffneten Schillerstrasse gipfelte, fuehrte uns die zweite auf den Schutterlindenberg. Dort wurde, nach einer patriotischen Ansprache des Herrn W. Schubert, am Abend ein maechtiges Freudenfeuer entzuendet, dessen himmelan lodernden Flammen die Erinnerung an Deutschlands groessten Sieg weit in's Land hinein und ueber die Rheingrenze trugen. D.D.


    Vom Jahr 1880-81 hielt sich Theodor Hug im Geschaeft seines Bruders in Chicago und New York auf und brachte von diesem amerikanischen Intermezzo nicht nur schoene Reiseerinnerungen, sondern auch praktische Eindruecke und Erfahrungen mit, welche ihn 1882 zur Gruendung einer Kartonagenfabrik ermutigten. Diese pflegt vorzugsweise den Export und steht seither mit dem New Yorker Geschaefte in bestaendiger Fuehlung. Ohne maennliche Nachkommen, ist er der letzte seines Namens in der Lahrer Linie und heute, kraft seiner Jahre, der S e n i o r der Familie Hug. Die einzige Tochter: 

    Laura Maria, geboren 10. September 1876, ist seit 1901 verheiratet mit dem Fabrikanten Max Sievert, geb. 8. April 1870, Teilhaber der seit 1816 bestehenden Firma C.F. Dreyspring in Lahr; sie haben 3 Kinder: 

    1. Lotte Sievert, geb. 15. November 1902,
    2. Herta Sievert, geb. 4. Februar 1912, 
    3. Claus Sievert, geb. 4. Februar 1912.
    2. Pauline (genannt Paula) Hug, geb. 17. September 1853, fand ihre Ausbildung in der Hoeheren Tochterschule zu Lahr, unter Rektor Gustav Specht, und im Grossherzogl. Institut zu Mannheim. Sie ehelichte 1875 den Buchdruckereibesitzer CARL MUELLER, 1847-1896, Teilhaber der Firma Mueller & Weiser in Falkenau a.d. Eger (Boehmen), und lebt als Witwe in Cannstatt. 2 Kinder: 
    1. Carl, geb. 1. April 1876, besuchte die Handelsschule in Nuernberg, hatte aber zum Kaufmannsstande keine Neigung, die ihn ganz zum Seemannsberufe hinzog. Mit Zustimmung seiner Eltern und seinem Reifezeugnis fand er Aufnahme auf dem deutschen Schulschiff "Stein*, wo er -wie nachher auf der "Arcona" und auf zahlreichen Reisen- seine fachmaennische Ausbildung erhielt. Heute faehrt er als Obersteuermann der Handelsmarine in australischen Gewaessern, ist unverheiratet, in Australien naturalisiert und Buerger von Sidney, wo er auch seinen Wohnsitz hat. Seine Schwester: 
    2. Elsa, 1882-1896, folgte ihrem Vater wenige Wochen im Tode nach und ist an dessen Seite in Cannstatt beerdigt, -ein kaum erbluehtes Menschenleben den Freuden und Leiden des Erdendaseins entrueckt.
    3. Herman Hug, geb. 12. Oktober 1857, besuchte die Gymnasien zu Lahr und Constanz, sowie die Aheimer'sche Handelsschule in Kirchheim-Teck, war dann zur Lehre im Geschaeft seines Vaters und diente 1876 auf 77 als Einjaehrig-Freiwilliger im 3. Bad.Dragoner-Regiment "Prinz Karl Nr. 22" zu Karlsruhe. Im Jahre 1878 begab er sich nach den Vereinigten Staaten von Amerika, zunaechst nach Chicago, wo er im Oktober gleichen Jahrs mit seinem Landsmann Leopold Metzger ein Importgeschaeft in Apotheker-Utensilien usw. begann, welches nach dessen im Maerz 1881 erfolgten Austritt nach New York verlegt wurde. Es hat sich dort in der Folgezeit als Fabrikationsgeschaeft zu grosser Bluete entfaltet und fuehrt den Namen "The New York Label-&-Box-Works, Herman Hug." 

    Herman Hug trat auch das amerikanische Buergerrecht an und ist der Begruender der New Yorker Linie Hug, welche nach dem Ableben seines Bruders die einzige im Mannesstamm sein wird. 
     
     



    Er heiratete 1882 Katie Jann in Hoboken, gest. 1890, und 1904 in zweiter Ehe Anna Huber aus Horgen (Schweiz), welche er bei ihrem Onkel in New York kennen gelernt hatte. 

    Von beiden Soehnen erster Ehe ist: 

    1. Walter, geb. 9. September 1884, ledig, gest. 22. Juni 1933
    2. Herman Carl, geb. 6. Januar 1888, verheiratet mit Dora Edelhoff von Hoboken und im Geschaeft seines Vaters. 1 Tochter:
      • Dorothy, geb. 15. Dezember 1913
      Die Kinder zweiter Ehe sind:
    3. Gustav Theodor Roosevelt, geb. 4. Maerz 1905, dem Tag der Inauguration Roosevelt's als Praesident der U.S. 
    4. Anna Marie, geb. 1. Juli 1910, von welchen ersterer z.Zt. der juengste Traeger unseres Namens ist.

    Return to the home page of Brigitte Gastel Lloyd.

    Copyright 1995-2004 Brigitte Gastel Lloyd