Texte aus dem Aufsatz von Dr. Walter Stettner:
„Maler Johann Ludwig Krimmel aus Ebingen (1786-1823)“.
In: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Balingen, Jahrgang 3, Nr. 10, 31. Oktober 1956.
mitgeteilt von Guenther Schweizer (10.7.1998)



„Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland“ - dieses Motto könnte man über das Leben des Malers Johann Ludwig Krimmel aus Ebingen setzten. Der Ruf dieses Mannes, der es nach seiner Auwanderung in den Vereinigten Staaten zu Ruhm und Ansehen gebracht hat, verhallte in der Heimat fast ungehört.
Johann Ludwig Krimmel wurde am 30. Juli 1786 hier [in Ebingen] als Sohn des Kaufmanns und Konditors (Johann) Jakob Krimmel und der Elisabeth Katharina Nördlingerin geboren. Seine Großväter waren der hiesige Rehwirt Johannes Krimmel und Johann Jakob Nördlinger, Gerichtsverwandter und Posamentierer zu Pfullingen.
Johann Ludwig erlernte offenbar den Beruf des Vaters, jedenfalls ist er im Familienregister als Kaufmann und Konditor eingetragen. Doch muß er schon hier den Grund zu seiner Künstlerlaufbahn gelegt haben, ohne daß wir angeben könnten, wer ihn dazu angeregt oder geschult hat.
Obwohl die Familie zu den vermöglichen der Stadt zählte, wanderten zwei Söhne nach den Vereinigten Staaten aus, zunächst Georg Friedrich Krimmel, der in Philadelphia Inhaber eines Geschäftshauses wurde. Ihm nach fuhr 1810 sein jüngerer Bruder, unser Johann Ludwig, vermutlich um drüben seine Künstlerträume verwirklichen zu können.
Das Familienregister verzeichnet schlichtweg: „nach Nordamerika gegangen, Maler geworden“. Dem älteren Bruder gefielen die Künstlerträume Johann Ludwigs gar nicht; er scheint ein nüchterner Geschäftsmann gewesen zu sein. Er versuchte, seinem Bruder die Flausen auszutreiben und steckte ihn zu diesem Zweck in sein Geschäft. Das war aber nicht nach dem Sinn und Geschmack des Jüngeren. Schon nach wenigen Monaten verließ er seines Bruders Haus und Geschäft, mietete sich bei Fremden ein und widmete sich zunächst der Portätmalerei, die seinen Neigungen besser entsprach als Handel und Gewerbe. Und wirklich fand schon sein erstes Bild, das seine Hauswirtin und deren Familie darstellte, soviel Interesse und Beifall, daß er zunächst, wenn auch kümmerlich, mit dem Porträtieren sein Leben fristen konnte. Schon 1811 hatte er die Genugtuung, daß eines seiner Bilder, ein Stilleben (Pepper-Pot) von der Columbian Society of Artists für deren Jahresausstellung in der Pennsylvanian Academy of Fine Arts angenommen
wurde.
Einige Zeit später heiratete unser Johann Ludwig. Um nun für die allmählich wachsende Familie den Lebensunterhalt besser zu sichern, nahm er eine Stelle als Zeichenlehrer an einer Mädchenschule an. Die Leiterin der Schule aber verlangte bald, da sie den Mädchen und ihren Eltern einen Gefallen erweisen wollte, daß Krimmel die Aufgaben seiner Zöglinge selbst anfertige. Das verstieß gegen Krimmels Auffassung von Kunst und Kunstausbildung; er kündigte kurz entschlossen seinen Dienst auf.
In diesen Jahren, wohl 1817 (nach anderen Angaben schon 1811), unternahm er eine Reise nach Europa und besuchte Frankreich und Deutschland. Aber er fand in der alten Heimat wenig, was ihn hätte locken oder halten können.So kehrte er wieder nach Pennsylvania zurück.
Drüben aber hatte man ihn inzwischen „entdeckt“. Die führende kulturelle Zeitschrift „Analectic Magazine“ wies auf den jungen Künstler hin und reproduzierte auch eines seiner Bilder, „Ländliche Hochzeit“.
Sein besonderer Förderer wurde in diesen Jahren der Kupferstecher A. Lawson, der auch von einigen seiner Werke Stiche machte. Welch hohes Ansehen Krimmel damals in den Staaten genossen hat, erhellt aus der Tatsache, daß er 1821 zum Präsidenten der amerikanischen Künstlervereinigung (Association of American Artists) gewählt wurde. Noch im selben Jahr aber (nach einem Nachtrag in den hiesigen Kirchenbüchern freilich erst 25. Juli 1823) erlosch das Leben des Künslters plötzlich, als er in einem Mühlteich in Georgetown ertrank.
 [Es folgen nun - hier weggelassen - ausführliche Angaben zum Werk Krimmels und zu dessen Bewertung durch seine Zeitgenossen].
Wir werden nach all dem Krimmel nicht zu den ganz großen Meistern der Kunst rechnen dürfen; aber er war ein angesehener und bedeutender Meister seiner Zeit. Seine Bilder gefielen den Laien, während seine Kollegen machmal rügten, daß er zu sehr am einzelnen und kleinen hänge und einen zu schmalen Pinsel führe. Seine scharfe Beobachtungsgabe wird allgemein anerkannt. Volle Klarheit über Krimmels künstlerische Eigenart würde freilich erst die unmittelbare Berührung mit den Werken vermitteln. Vielleicht gelingt es einmal, Reproduktionen einiger seiner Werke durch Ebinger, die in nicht geringer Zahl in Philadelphia leben, zu erhalten.
Wir dürfen bei einer Würdigung nie vergessen, daß Krimmel früh gestorben ist. Er wurde zwar nicht nur 32, sondern mindestens 35, wahrscheinlich 37 Jahre alt (ich bin jedenfalls geneigt, den Angaben in unseren Kirchenbüchern mehr zu vertrauen als der amerikanischen Literatur), aber auch so standen ihm noch die besten Mannesjahre bevor, und zu Recht sagt V. Baker, daß sein früher Tod sein Land um viele gefällig Bilder gebracht hat, die man noch von Johann Ludwig Krimmel hätte erwarten dürfen. 

Quellen:
Kirchenbücher der St. Martinskirche Ebingen.
Thieme-Becker, Allg. Lexikon der Bildenden Künstler, Bd. XXI, 1927.
Dictionary of American Biography, vol. X, 1943.
S. Isham, History of American Painting, 1944.
V. Baker, American Painting, History and Interpretation, 1950
 

In der AL Krimmel sind die unterstrichenen Stellen zu korrigieren:

64 Krimmel oder Müller, Martin (I 1), , Müller in Ehestetten bei Ebingen, * um 1535, + Ebingen 8.10.1604; (* I. vor 1560 Kordula N.)
[AL Gastel, Teil-AL Lang 752/3; AL Schweizer-Kaufmann 6816 = 13792/3]
 * II. Ebingen 5.5.1567
65 Hoch, Regula, * um 1546, + Ebingen 14.6.1606, 60 J
 

In der Zeitung "Zollern-Alb-Kurier" vom 19. Juli 1985
erschien folgender Bericht
anlaesslich eines Besuchs von Anneliese Harding in Ebingen (A. Harding ist Authorin des Buches: John Lewis Krimmel, genre artist of the early Republic, Winterthur, Del., 1994, ISBN 0-912724-25-0) 

"Denn hierhin [nach Ebingen] kehrte der junge Krimmel 1817/18 zurück, um Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Die beiden Brueder in Amerika hatten auf ihr Erbteil verzichtet, um den fuenf Kindern ihrer Schwester Christiane Elisabeth Daser das Vermoegen des Hauses in der Marktstrasse 32 (neben dem
alten Rathaus - heute Landgraben) zu erhalten. Auf dieser Reise hat Johann Ludwig Krimmel, der seiner Heimatstadt Ebingen stets die Treue hielt, Einfluesse der deutschen Romantik aufgegriffen und wieder zurueck in die neue Welt mitgenommen, was ihm zu grossem Durchbruch verhalf."