R e i n e r z a u 

Die Anfaenge der "Reinhardesowe" liegen im Dunkeln; weder ihr Gruender noch ihr Gruendungsdatum sind bekannt. Die erste urkundliche Erwaehnung in einer Zeugenreihe 1254 ist rein zufaellig, laesst aber den Schluss zu, schon fuer damals von einer Pfarrkirche mit entsprechend umfangreicher Siedlung zu sprechen. Gut 20 Jahre spaeter wird dies durch das bekannte Steuerbuch der Dioezese Konstanz (Liber Decimationis) bestaetigt. Die Rodesiedlung des Hochmittelalters ist noch heute in ihrer urspruenglichen Struktur als kettenfoermige Hofsiedlung zu erkennen: zu den urspruenglich 18 im Alpirsbacher Lagerbuch von 1459/60 genau bezeichneten Einzelhoefen sind inzwischen mehrere kleine und zwei groessere Weiler bei der Kirche und im Oberen Doerfle getreten, wobei der erstere aus dem ehemaligen Pfarrgut hervorgegangen ist.

Das Tal gehoert spaetestens seit dem 14. Jahrhundert zur geroldseckischen Herrschaft Schenkenzell. Deren Inhaber muessen schon 1344 das nie eingeloeste Fischwasser an das Kloster Alpirsbach verpfaenden, 1377 einen Teil der Vogtei an dasselbe verkaufen. Die ab 1480 schrittweise erpfaendeten weiteren Rechte und Besitzungen der Geroldsecker Grafen gehen 1500 endgueltig in Alpirsbacher Besitz ueber. Bei dieser Gelegenheit bestehen die neuen Hintersassen aus der Reinerzau auf der Aufzeichnung ihrer ueberkommenen Rechte in einem Weistum. Die Kirche zur Hl. Margarete und ihre Einkuenfte sind dem Kloster wohl schon frueher inkorporiert worden.

Zu den nicht wenigen Pfarrern, die in der grossen Volksbewegung des Deutschen Bauernkriegs 1525 mit einem Teil ihrer Gemeindegenossen aktiv taetig geworden sind, zaehlt auch der namentlich nicht genannte Reinerzauer Prediger. Ueber ihr spaeteres Schicksal ist nichts bekannt. Mit der Reformation des Klosters Alpirsbach 1534/35 kam Reinerzau endgueltig an das Herzogtum Wuerttemberg, bildete darin aber einen eigenen, dem Klosteramt Alpirsbach unterstellten Gerichtsstab. Die Kirchengemeinde hat seit 1561 einen staendigen evangelischen Pfarrer, der Pfarrsit ist jedoch seit einiger Zeit im benachbarten Schoemberg (Gemeinde Lossburg). Die vier Hoefe *In der Wueste* zaehlten urspruenglich zur Pfarrei Rossberg und fuehrten noch nach deren Aufloesung den Zehnten bis 1803 an das nahe Kloster Wittichen ab.

Eine wirtschaftliche Bluete erfuhr das Tal im ersten Drittel des 18. Jahrhundertsa durch den Silber-, spaeter Kobaltbergbau. *Reines Erz* wurde nicht allzu haeufig gefunden - der bekannte Ausbeutetaler von 1726 fand keinen Nachfolger -, aber die damals aufgekommene Schreibweise hat sich schnell fuer immer durchgesetzt. Floesserei und Holzhandel haben in der Folgezeit den frueher sehr armen Waldbauern trotzdem einen bescheidenen, zum Teil sogar erheblichen Wohlstand gebracht. Die Schuerfversuche des 19. und 20. Jahrhunderts sind insgesamt erfolgreich geblieben, auch der zuletzt betriebene Abbau von Schwerspat.

Nach der Aufloesung des (Kloster-)Amts Alpirsbach 1810 dam Reinerzau zunaechst an das Oberamt Oberndorf, 2 Jahre spaeter an das von Freudenstadt (seit 1938 Landkreis). 1830/1831 erfuhr das Pfarrhaus einen Neubau; 1843 konnte das Rat- nd Schulhaus erstellt werden, nachdem der Unterricht viele Generationen hindurch abwechselnd in allen Haeusern gehalten und der Lehrer *hin- und hergeatzt* worden war.

Reinerzau