STAMMBUCH DERHUGEN UND PREUENFUENFHUNDERT JAHRE HAUSGESCHICHTEund einem Nachtrag "Der Weltkrieg" "Wohl dem, der seiner Vaeter gedenkt" Fuer die Familie verfasst von MICHAEL CONRAD THEODOR HUG Lahr, Baden, Germany, 1914
Nach der beifaelligen Aufnahme meiner vorjaehrigen
Arbeit "Chronik des Hauses Hugo", von welchem ich muetterlicherseits
abstamme, entschloss ich mich, in diesem Jahre den Stammbaum und die Geschichte
der Familie
"HUG-PREU", der mein Vater angehoerte, zu bearbeiten.
Dadurch habe ich zugleich einer Anregung aus meinem engeren Verwandtenkreis
entsprochen und beklage es nur, dass eine solche Aufgabe fuer den Verfasser
in Wahrheit nichts anderes ist, als ein Gang durch einen grossen Friedhof,
um das Andenken Verstorbener auszugraben. Allen, die mir in freundwilliger
Weise dabei an die Hand gingen, spreche ich auch an dieser Stelle meinen
Dank aus.
Unter letzteren steht in vorderster Reihe ein anderer Preu'scher Schwiegersohn, mein Grossonkel CARL FRIEDRICH VIERORDT, welchen persoenlich zu kennen mir noch vergoennt war, und dessen verdienstvolles Wirken eine ausfuehrliche Besprechung in dieser Schrift mit Recht beanspruchen durfte.*) Aus den Abschnitten, welche ich den beiden Schwaegern und hervorragenden Vertretern zweier so verschiedener Berufsstaende gewidmet habe, wird unschwer zu ersehen sein, unter welchen Wandlungen der eine seinen Weg erst suchen musste, ohne je bestimmt zu wissen, ob er zum Ziele fuehrte, waehrend dem anderen ein Wegweiser gesetzt war, der ihm die gerade Bahn, an den Kreuzwegen vorbei, zum Ziele zeigte. Wenn nun in einer Familienchronik einzelnen viel Lob gespendet und von anderen nur wenig oder gar nichts gesagt wird, so ist dies in der Natur der Sache und gewiss auch in dem Mass der Verdienste begruendet, woraus man indessen nicht auf eine Zuruecksetzung der anderen schliessen darf. Obwohl vom heutigen "Uebermenschtum" noch unberuehrt, waren auch unsere Voreltern sicherlich alle nicht frei von menschlichen Schwaechen und Fehlern; dadurch wollen wir uns aber die Freude, ihre Nachkommen zu sein, nicht verkuemmern lassen. *) Mit Benuetzung einer dem
Andenken Vierordt's gewidmeten Beilage zum Karlsruher Lyzeumsprogramm fur's
Jahr 1865, vom damaligen Direktor Dr. Christ.Friedr. Gockel.
Wenn du gestorben bist, wer denkt noch deiner?
Lahr, im Juli 1914 Theodor Hug
Demnaechst erscheint, als Folge zur
"Chronik des Hauses Hugo":
"Schoen ist es, den Spuren seines Geschlechtes nachzugehen, denn der Stammbaum der Familie ist fuer den Einzelnen das, was die Geschichte des Vaterlandes fuer ein ganzes Volk ist.". (Esajas Tagner) Das Wappen der H u g e n :
Das Wappen der P r e u e n :
Ueber buergerliche Wappen schreibt die "Taegliche Rundschau:"
Es war keine Prunksucht und keine leere Protzerei, die den Anlass gaben, das Wappen ueberall anzubringen; auch keine Sucht, sich persoenlich vordraengen zu wollen oder eine Familie in den Schein des Reichtums zu bringen. Denn die Wappen sind zumeist ganz schlicht und schmucklos und bewahren, wenn auch Ausnahmen vorkommen, da es zu jeder Zeit eitle Menschen gegeben hat, ganz reine Formen, sind von jener edlen, einfaeltigen Ausdruckskunst, die erst jetzt wieder zu Ehren kommt. Es wart der alte, gute Familiensinn, der den Wappenschmuck suchte und foerderte. Das stolze Gefuehl der Zusammengehoerigkeit wurde durch das Wappen ausgedrueckt und gepflegt. Die Familie Hug, 1458 - 1914. Eine Familiengeschichte soll auch ueber den Ursprung des Namens Aufschluss geben: Der Name Hug - ebenso Hugo und Haug, welche gleichen Stames sind -ist vom altdeutschen hugu oder vom alsaechsischem hugi (Gedanke, Sinn, Geist) abzuleiten und eine Verkuerzung des Vollnamens Hugubert oder Hugibald, woraus wieder Hubert und Huber gebildet ist. So aendern sich nicht nur die Zeiten und die Menschen, auch die schoenen alten Namen wurden geaendert und verstuemmelt. Das alte Geschlecht der Hugen, 1), auf welches unser Stammbaum hinweist, war zu Waldshut 2) ansaessig und wird dort 1458 - 1524 urkundlich genannt. Es begab sich, dass anno 1495 diese dem Hause Habsburg zu eigene Stadt durch eine grosse Feuersbrunst heimgesucht wurde, der 182 Haeuser zum Opfer fielen, wodurch zahlreiche Familien von heut auf morgen aus Wohlstand in Nothstand gerathen waren und sich gleichwohl keiner billigen Entschaedigung von Seiten der Herrschaft versehen durften. Die Stadt musste Capitalien in Basel und Schaffhausen aufnehmen, um den Wiederaufbau bewerkstelligen zu koennen. Indessen konnten sich die uebel zufriedenen Buerger dem Einfluss der kommenden Zeitereignisse nicht entziehen: -die neue Lehre Zwingli's in der Schweiz hatte auch in Waldshut der Reformation den Boden geebnet, wozu sich in der Folge noch der Bauernkrieg gesellte. Durch ihr Buendnis mit den rebellischen Bauern im August 1524 betrat die Stadt, abgesehen vom kirchlichen Abfall, auch in politischer Hinsicht den Weg der Revolution gegen ihren Landesherrn. Daraus ergab sich eine schwere Zeit fuer Waldshut, das in beiderlei Hinsicht unterlag und die Verbannung der Raedelsfuehrer sowie die Confiszierung ihrer Gueter als Strafe hinnehmen musste.3) 1) Ferner gab es in Oberbaden die aeltern Geschlechter der Hugen von Heiligenberg (im 12. Jahrhundert) und von H u g s t e t t e n , sowie im Oberelsass die Hugen von Sulz. Wahrscheinlich sind diese Familien urspruenglich alle eines Stammes gewesen. 2) Waldshut gehoerte zu Vorderoesterreich, das seit 1458 durch Erzherzog Sigismund und dessen Landvogt, Markgraf Wilhelm von Baden-Hochberg (+1473) regiert wurde. 3) Bei einer Unterhandlung von
Abgesandten der Stadt Waldshut mit den Vertretern der Regierung am 12.
September 1524 zu Engen, sagte der Statthalter, Graf Rudolf von Sulz, zu
dem Waldshuter Ratsherrn Bollinger: "Wir kennen Dich und Deinesgleichen,
ihr seid aufgezeichnet, Du musst der erste sein, dem man den Grind abhaut.
Wir wollen euch das Evangelium um die Ohren blaeuen, das ihr die Haende
ueber den Kopf zusammenschlagen muesst; wir wollen euch dermassen strafen,
dass ihr allen Menschen, so der lutherischen Secte sind, ein Exempel und
Vorbild sein muesst." (Freiburger Urk.-Buch I) Bollinger fluechtete in
die Schweiz, wo wir seinen Nachkommen wieder begegnen.
Dort lebte vor 300 Jahren zu Beringen
im Canton Schaffhausen ein Ortsbuerger,
Adam, Alexander, Bernhardt, Caspar, Conrad, Friedrich, Hans, Heinrich, Jacob, Johannes, Ludwig, Mathaeus, Thobias. Anmerkung: Das Gemeindewappen
von Beringen fuehrt in der linken Schildhaelfte eine Weintraube. Merkwuerdigerweise
findet sich dort, wie auch in Schaffhausen, keine Familie unseres Namens
mehr vor. Dieselben sind schon vor langem, mit dem Aufhoeren des Weinbaues,
in die innere Schweiz verzogen und zu andern Berufen uebergegangen. D.D.
Bernhardt Hug - dem Nachkommen eines der vorn genannten drei Soehne des Marcus - und seiner Ehegemahle Elisabetha Rost. Deren Sohn Mathaeus Hug I, geboren am 22. Juli 1714, nahm anno Domini 1741 eine Jungfer Ursula Pommer aus dem Canton Zuerich zur Frau und verzog nach der Stadt Schaffhausen, wo er unserer Familie erstmals den kaufmaennischen Stempel aufdrueckte und in dem 1569 erbauten Hause "Zum Dornhahn"*) eine Handlung begruendete. Dieses, einstens zum Kloster St. Johann gehoerend, soll als weltliches Asyl gestiftet worden sein, in das die Adeligen und Herren der Ritterschaft, so sie alt oder untauglich geworden, sich begaben, um darinnen ein eingezogenes und gottgefaelliges Leben zu fuehren, was aber nicht immer geschah; -was man darueber noch sagen koennte, ist dieser Schrift nicht dienlich und soll sohin unberedet bleiben. Er uebernahm das Geschaeft seines Vaters und ehelichte 1785, da er schon 42 Jahre zaehlte, Anna Weis aus Wiesendangen im Canton Zuerich; sie war aus der Sippe seiner Mutter und hatte waehrend deren Krankheit und nach ihrem Heimgang seinen Haushalt loeblich gefuehrt. Mathaeus und Anna hatten 5 Kinder:
*) In Schaffhausen hat jedes
alte Haus seinen Namen, der ihm neben seiner urspruenglichen Bauart gewahrt
bleibt. Das Anwesen "Zum Dornhahn" grenzte an zwei Gassen; der rueckwaerts,
nach dem Muensterplatz gelegene Hof mit Stallung wurde spaeter ueberbaut
und vom Vorderhaus abgetrennt. Letzteres hat nach dem Tode unseres Vorfahren
nur selten seinen Besitzer gewechselt und gehoert seit 1890 dem Restaurateur
Ad. Schaidt, Vordergasse 11.
**) Dieser 1855 geb. Sohn ist unser Vetter, Herr Carl Th. Fritz Montfort, Kaufmann in Freiburg, Kaiserstrasse 38. Der aelteste Sohn des Mathaeus II war unser Grossvater Theodor Conrad Hug I, 1786-1845, welchem ein besonderes Kapitel in dieser Schrift gewidmet ist. (Siehe Anhang.) Er ist der Begruender unserer L a h r e r Linie, war Grosskaufmann und seit Dezember 1817 verheiratet mit Amalie Charlotte Preu, 1798-1893, einer Tochter des Kaufmanns Johann Jacob Preu in Lahr und der Friedericke, geb. Kuenzlin (siehe unter Familie Preu.) Waehrend er schon im 59. Lebensjahr seiner Familie und seinem Wirkungskreise entrissen wurde, ueberlebte ihn seine Witwe um 48 Jahre. Pflichttreu im Leben und ruestig bis an's Ende, entschlief sie im biblischen Alter von nahezu 95 Jahren bei ihrer Tochter in Karlsruhe und ist in der Familiengruft auf dem alten Kirchhofe zu Lahr an der Seite ihres Mannes bestattet. Sie hatten zwei Kinder:
Clara und Max, von welchen nur letzterer verheiratet ist und ebenfalls 2 Kinder hat. Laura Lang, geb. 1842, war seit 1868 mit dem 1883 verstorbenen Hauptmann der Artillerie, Gustav Kuntz, verheiratet und lebt mit ihrer einzigen Tochter Laura, welche unvermaehlt ist, in Karlsruhe. Beide Offiziere machten den Feldzug 1870/71 gegen Frankreich mit und nahmen dann ihren Abschied. Der 1845 erfolgte Tod seines Vaters rief ihn zur Uebernahme des Geschaefts nach Hause zurueck. Im gleichen Jahre fuehrte er seine Jugendliebe, Pauline Frieda Hugo, 1824-1909, heim, eine Tochter des Tabakfabrikanten Michael Hugo und dessen Gattin Friedericke, geb. Pannifex in Lahr (siehe "Chronik des Hauses Hugo".) Sie hatte, gleich ihren Schwestern, auf dem Paedagogium ihrer Vaterstadt, das unter der trefflichen Leitung des Professors und spaetern Geh. Hofrats C.A. Gebhardt stand, und in einem Institut in der franz. Schweiz, wie im Elternhause, eine sorgfaeltige Erziehung erhalten, welche sie auf ihre Kinder zu uebertragen bestrebt war. Unermuedlich in der Erfuellung ihrer Hausfrauen- und Mutterpflichten machte sie das Alltagsleben im Hause zum Mittelpunkt ihres Daseins, treu dem Grundsatz, dass dies der Boden, auf welchem wir wachsen und aus dem wir unsere Nahrung ziehen muessen; -und so koennte man fast sagen, dass ihr Verhaeltnisse und Menschen hauptsaechlich nur in ihren Beziehungen zur Familie bedeutsam erschienen. Das Vertrauen seiner Mitbuerger berief Theodor C. Hug mehrmals in's Ratscollegium, sowie in den Vorstand der Handelskammer. Nach der 1880 erfolgten Aufloesung des Geschaefts,
das Anfangs der 50er Jahre von der Marktstrasse in die Dinglinger-Vorstadt*)
verlegt worden war, zogen die Eltern Hug nach F a l k e n a u an
der Eger, wo ihre Tochter verheiratet war, begleiteten diese 1895 auch
nach ihrem neuen Wohnsitz C a n n s t a t t und konnten dort im gleichen
Jahre ihre goldene Hochzeit feiern. Sie durften sich noch eine Reihe von
Jahren eines ruestigen Greisenalters erfreuen und fanden auf dem Uffkirchhof
daselbst ihre gemeinsame Ruhestaette.
Anmerkung: Dass ich in diesen Aufzeichnungen unsere engere Familie eingehender behandelt habe, darf ich wohl damit begruenden, dass sie in erster Reihe fuer unsere Nachkommen bestimmt sind. D.D. *) Jetzt Pfisterer'sches Haus,
Kaiserstrasse 85
1. Michael Conrad Theodor Hug, geb. 26. April 1847. Nach dem Besuche des Gymnasiums in Lahr war er fuer die Dauer eines Jahres auf der Garnier'schen Handelsschule zu Friedrichsdorf am Taunus und ebenso lange im Institut Roulet zu Neuchatel, um dann seine gleich nach der Schulzeit begonnene Lehre im vaeterlichen Geschaeft zu beendigen. Spaeter nahm er Stellungen im Auslande an, zunaechst in Lyon, dann in Triest bei der Drogenfirma Julius Stettner, welche eine langjaehrige Geschaeftsfreundschaft mit seinem vaeterlichen Hause verband. Im Jahre 1868 auf 69 diente er als Einj.-Freiwilliger im 1. Bad. Leibdragoner-Rgt. zu Mannheim, machte das Kriegsjahr 1870/71 als Unteroffizier im Ersatzregiment mit und ist im Besitz der Kriegsdenkmuenze, sowie der 1897 zum 100. Geburtstage Kaiser Wilhelm's I. Gestifteten Erinnerungsmedaille. In's vaeterliche Geschaeft zurueckgekehrt, heiratete er im Oktober 1875 Marie Buehler, geb. 12. Dezember 1857, Tochter seiner Cousine Buehler geb. Jamm (Siehe "Chronik des Hauses Hugo") und deren Gatten Carl Buehler von Lahr, Rohtabakhaendler in Mannheim. Mit kaum 18 Jahren in den Ehestand getreten, ist sie heute die treubesorgte Grossmutter eines ihr an's Herz gewachsenen Enkelkleeblatts. Anmerkung: Als die nachhaltigsten
Eindruecke aus meiner Schulzeit moechte ich hier erwaehnen: Die Feier von
Schiller's 100. Geburtstag am 10. November 1859 und des 50. Jahrestags
der Voelkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1863. Waehrend sich die
erste im Weichbild der Stadt abspielte und in einer zuendenden Festrede
unseres Gymnasiumsdirektors, Herrn Geh.Hofrat C.A. Gebhardt, in der zu
Ehren dieses Tages neu eroeffneten Schillerstrasse gipfelte, fuehrte uns
die zweite auf den Schutterlindenberg. Dort wurde, nach einer patriotischen
Ansprache des Herrn W. Schubert, am Abend ein maechtiges Freudenfeuer entzuendet,
dessen himmelan lodernden Flammen die Erinnerung an Deutschlands groessten
Sieg weit in's Land hinein und ueber die Rheingrenze trugen. D.D.
Laura Maria, geboren 10. September 1876, ist seit 1901 verheiratet mit dem Fabrikanten Max Sievert, geb. 8. April 1870, Teilhaber der seit 1816 bestehenden Firma C.F. Dreyspring in Lahr; sie haben 3 Kinder: Herman Hug trat auch das amerikanische
Buergerrecht an und ist der Begruender der New Yorker Linie Hug, welche
nach dem Ableben seines Bruders die einzige im Mannesstamm sein wird.
Er heiratete 1882 Katie Jann in Hoboken, gest. 1890, und 1904 in zweiter Ehe Anna Huber aus Horgen (Schweiz), welche er bei ihrem Onkel in New York kennen gelernt hatte. Von beiden Soehnen erster Ehe ist: Return to the home page of Brigitte Gastel Lloyd. Copyright 1995-2004 Brigitte Gastel Lloyd |